Wallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes
Die Pfarrkirche birgt ein wundertätiges Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes. Hier erfahren Sie mehr dazu.
Wallfahrtsgeschichte
Während der rechte Querhausaltar in der Pfarrkirche von Wettenhausen der ehemalige Hochaltar der gotischen Augustinerchorherrenkirche ist und durch die Rosenkranzbruderschaft deren Bruderschaftsaltar wurde, befindet sich auf dem linken Querhausaltar ein Altargemälde der hl. Sippe und darunter das wundertätige Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes.
Die spätgotische und in Alabasterfarben gefasste Marienstatue mit den flankierenden bemalten Blechtafeln der Schmerzen Mariä bildet die 13. Kreuzwegstation in Verbindung der anderen von J.B. Enderle gemalten Kreuzwegdarstellungen an den Beichtstuhlaufsätzen. Die Chronik hält fest, dass Maria bis zur Säkularisation mit reichen und dem Kirchenjahr entsprechenden Gewändern bekleidet wurde und zahlreiche Votivgaben das spätgotische Bildnis umgaben. Besonders die Frauen von Wettenhausen, so heißt es in der Chronik, fassten zu diesem Bild ihre Zuneigung.
Mit der Einweihung des renovierten Kalvarienberges am Samstag nach dem s.g. Schmerzensfreitag (23.3.2024) wurde im Anschluss durch Bischof Bertram Meier auch das Vesperbild in der Pfarrkirche benediziert. Die Gnadenfigur, welche ursprünglich polychrom gefasst war, wurde zusammen mit dem Aufbau der dazugehörenden Leidensengel dafür aufwendig renoviert und im Zustand von 1800 konserviert.
Zuletzt erhielt die Gnadenmutter in Anlehnung an die Bekleidungstradition der früheren Jahrhunderte einen blauen Schleier, welcher ganzjährig das Gnadenbild als würdevolles Zeichen bekleidet. Dieser goldverzierte Schleier wurde von einer Näherin aus der Pfarrgemeinde liebevoll angefertigt und von Pfr. Johannes Reiber am 21.6.2024 gesegnet.
Bedeutung der Wallfahrt
Die Zusammenfassung aus einer Chronik, welche in Verbindung zur Wallfahrt nach Deubach verfasst wurde, vermag eindrücklich über die Bedeutung des Gnadenbildes von Wettenhausen Auskunft zu geben:
Man schreibt das Jahr 1679. Am 20. Februar ziehen vier stattliche Rösser in einem gemütlichen Trab eine fürstliche Kutsche über die holprige Reichsstraße zwischen Günzburg und Augsburg. Es ist früh am Morgen. Vor ihnen liegt noch die weite Wegstrecke über Augsburg nach Innsbruck. Unweit der Stelle, wo sich die Seitenstraße nach Limbach von der Hauptstraße abzweigt, bekommt der Kutscher den Befehl zum Anhalten. Dem noblen Gefährt entsteigt eine vornehm gekleidete Dame. Demütig kniet sie sich auf offenem Feld zu einem kurzen Gebet nieder. Kein Mensch ahnt damals, welche Bedeutung diesem sonderbaren Ereignis zukommen wird. An dieser Stelle entsteht eine der frühesten und bedeutendsten Wallfahrten des ganzen Schwabenlandes [Limbach, Maria Königinnen Bild].
Während des zweiten Eroberungskrieges Ludwig XIV. (1672-1679) hatte der kaiserliche Oberfeldherr Herzog Karl von Lothringen, weltberühmter Franzosen- und Türkensieger, ein Jahr lang sein Hauptquartier in Günzburg. Seine Gemahlin Eleonore, die gebürtige Erzherzogin von Österreich, Schwester Kaiser Leopold I. und verwitwete Königin von Polen, weilte längere Zeit am Hoflager ihres Gemahles in Günzburg. In dieser Zeit sah man Herzog Karl von Lothringen oft in der Kirche zu Wettenhausen vor dem Hochaltar und vor dem Gnadenbild der Schmerzhaften Gottesmutter im Gebet knien. Er flehte um Erfüllung seines Herzenswunsches, ihm einen Stammhalter zu schenken. Am 20. Februar 1679 begab sich das hohe Paar auf die Reise nach Innsbruck. Gleich auf der ersten Etappe der Fahrt fühlte Herzogin Eleonore, dass ihr heißersehnter Wunsch, dem Gemahl einen Nachkommen zu schenken, in Erfüllung gehen werde. Sie ließ sogleich den Wagen anhalten, verrichtete ein Dankgebet und weihte sich und ihr Kind dem Schutz der seligen Jungfrau Maria. Dankerfüllten Herzens gelobte sie, an dieser Stelle eine Säule errichten zu lassen. Am 15. Juli 1679 wurde das Gelübde eingelöst und statt der Säule eine Feldkapelle [erbaut]. Nach der glücklichen Entbindung des Prinzen Leopold Josef am 11. September 1679 schenkte die dankbare Mutter ein eigenhändig gesticktes kostbares Gewand zur Bekleidung der Schmerzhaften Gottesmutter von Wettenhausen. Dieser Prinz wurde der Vater des deutschen Kaisers Franz I., des Gemahls der Kaiserin Maria Theresia. Die Herzogin erfüllte auch Dionysius von Rehlingen, dem damaligen Probst des freien Reichsstift Wetttenhausen, eine Bitte, welche dieser schon längst dem Kaiser Leopold vorgetragen hatte: die Verleihung des Titels eines Doktors der Theologie und den Rang eines kaiserlichen Hofkaplanes. Der überaus glückliche Vater Herzog Karl kam am 9. Februar 1680 unangemeldet mit seinem ganzen Gefolge nach Wettenhausen und verrichtete eine Dankandacht vor dem Bild der "Wundertätigen Muttergottes von Wettenhausen".
Wallfahrtsfreudige Umgebung
Im Gebiet der Augustinerchorherren entwickelte sich noch eine andere Wallfahrt, jene zur thronenden Muttergottes von Deubach. Jene Wallfahrt war bewusster Gegenakzent zur Wallfahrt in Limbach, deren Gnadenbild mittlerweile in die Stadtpfarrkirche von Burgau verbracht wurde. In Deubach entstand 1744 unter dem Einfluss der Augustinerchorherren die - so heißt es - älteste Herz-Mariä Bruderschaft Deutschlands. Auch die Wallfahrt nach Wattenweiler (Maria Eich) wurde von den Augustinerchorherren vorangetrieben.
Im heutigen Sprengel der Pfarreiengemeinschaft liegen diese Wallfahrtsorte:
Kalvarienberg Wettenhausen (zahlreiche Votivtafeln in der Friedhofskirche St. Patrizius)
Maria Hilf in Unterrohr (volkstümliche Votivgaben und Beschriftungen in der Kirche weisen den Ort als Wallfahrtsziel aus)
Heilige Ottilie in Ried/Behlingen (einige Votivgaben sind erhalten, ebenso eine Ottilienreliquie)
Heiliger Leonhard in Behlingen/Maria Trost (Votivtafel und Gnadenfigur des hl. Leonhard erhalten)
Angebote für Wallfahrer
Jeden Herz-Mariä-Samstag [Samstag nach dem Herz-Jesu-Freitag]:
8.30 Uhr - Beichtgelegenheit
9.00 Uhr - Rosenkranz mit Betrachtungen und Gebeten
Freitag vor dem Palmsonntag ("Schmerzensfreitag"):
17.30 Uhr - 7-Schmerzen-Rosenkranz
18.00 Uhr - Festmesse am Gnadenaltar
Samstag um den 15.9. ("Gedenktag der Schmerzen Mariens"):
19.00 Uhr - Festmesse mit dem Gnadenbild, anschl. Begegnung auf dem Kirchplatz
Ein Gebetsflyer liegt in der Pfarrkirche von Wettenhausen aus oder kann hier angeklickt werden:
Wallfahrtorte im Landkreis Günzburg
Attenhausen - St. Othmar
Autenried - Zum wundertätigen Kreuz
Balzhausen – Maria Feldblume (Feldkapelle)
Billenhausen – St. Leonhard
Breitenthal - Kreuzreliquie (ehemals vom Kloster Roggenburg)
Burg – Zum Heiligen Kreuz
Burgau - Maria-Königinnen-Bild (ehemals bei Limbach) und Loretokapelle
Edenhausen – Maria Schnee (in der Pfarrkirche)
Frauenbrunn – Thronende Muttergottes (Brunnenheiligtum)
Günzburg - Schmerzhafte Muttergottes in der Frauenkirche
Haupeltshofen – Maria Schnee
Jettingen - Reliquie des kostbaren Blutes Christi
Krumbach - Thronende Muttergottes (Friedhofskapelle und Mühlenkapelle)
Krumbad – Adelheidsquelle und Lourdesgrotte
Lexenried bei Krumbach - Muttergottes
Maria Vesperbild – Schmerzhafte Muttergottes
Mindelaltheim - Heilig-Kreuz-Kapelle
Mindelzell – Zum Heiligen Kreuz
Münsterhausen - Unsere Liebe Frau von Altötting
Oberwaldbach – Unsere Liebe Frau von Lourdes (Kreuzweg)
Reichertsried bei Münsterhausen - Unseres Herren Ruhe
Reisensburg – Großer Kreuzweg
Ried - St. Ottilia
Rieden a.d.Kötz - Zur Heiligsten Dreifaltigkeit (Friedhofskirche)
Scheppach - Schmerzhafte Muttergottes (Allerheiligen)
Unterrohr - Maria Hilf
Ursberg – Heiliges Kreuz und sel. Grimo
Wattenweiler – Maria Eich (Maria Feldblume)
Wettenhausen - Gnadenbilder und Heiltümer in der Pfarrkirche, Kalvarienberg
Winterbach – Schmerzhafte Muttergottes (Pfarrkirche)
Leonhardsheiligtümer in Balzhausen, Offingen, Schönenberg und Thannhausen