Filialkirche St. Wolfgang in Unterrohr
Das kleine Unterrohr besitzt zwei Kirchengebäude, zum einen die Maria-Hilf-Kapelle welche auf 1730 zurückreicht und 1899 ergänzt wurde. Zum anderen die aufwändige St.-Wolfgangskirche, auf welche im Artikel näher eingegangen wird.
Kirchengeschichte
Es waren die Ulmer Patrizierfamilien Ehinger und Besserer, welche einst Besitzer des Dorfes waren und ihr neu angenommenes Bekenntnis des Protestantismus in Unterrohr einführen wollten. Die österreichische Landvogtei blieb dem katholischen Glauben treu und trat 1563 dafür auch in diesem unterstellten Ort ein. Daraufhin verkauften die Familien 1571 das Schloss bzw. den Burgstall an das Kloster Wettenhausen, welches mit Unterrohr und - bereits zu Beginn des Jahrhunderts (1508) - Unterbleichen größeren Besitz erwarb. 1673 wechselte das Dorf abermals den Besitzer, sodass es bis 1806 den Deutschordensherren gehörte und mit der Säkularisation 1806 an Bayern fiel. In der Barockzeit bestand in (Unter)rohr eine eigene Komturei des Ordens, welche verbunden mit Waldstetten (Kommende Waldstetten) zur (Land)kommende bzw. Deutschordenskommende Altshausen gehörte, die Zentralort der wiederum größeren Einheit, der Ballei Schwaben-Elsaß-Lothringen war. 1691 wurde die Kirche umgebaut und 1713 eingeweiht. Franz Benedikt Freiherr von Baaden war damals Landkomtur, worauf sein Wappen über der Kirche hindeutet.
Kirchenbau
Die Kirche stammt aus der spätgotischen Zeit, besitzt zwei Fensterachsen, ein steiles Satteldach und schließt halbrund im Chor. Nördlich fügt sich dem Chor der aufwändige Satteldachturm an, welcher durch Friese und weitere Zierelemente gegliedert ist. An der Außenwand des Chores eine Ädikula mit Muttergottesstatue und am gesamten Gebäude architektonische Bemalungen (Diamantrustika). Der Westgiebel mit seinen Voluten verleiht dem äußeren der Kirche ebenso ein erhabenes Aussehen.
Im Inneren ruht auf Pilasterkapitellen das Stichkappengewölbe. Eine Westempore und eine Loge im Chorraum sind weitere prägende Elemente. In der gänzlich weiß getünchten Kirche heben sich die drei qualitätvollen Altäre gut ab und verleihen dem Raum Größe. Der Hochaltar, als auch der linke Seitenaltar tragen gegenwärtig Nazarenergemälde, die Kreuzigung und im Auszug den hl. Wolfgang bzw. der hl. Josef mit dem Jesuskind. Die Altarantependien der Seitenaltäre sind mit Blumen und Ranken, sowie dem hl. Sebastian (l.) und dem hl. Antonius (r.) in frühbarocker Manier dargestellt. Auf dem rechten Seitenaltar sodann das Gemälde mit einer Kopie des Cranachschen Maria Hilf Bildes (1671).
Eine Mondsichelmadonna von 1680 hängt am Triumphbogen in den Kirchenraum und ist mit einem Fünf-Wunden-Rosenkranz umgeben. Eine Figur des hl. Wolfgang stammt aus spätgotischer Zeit und eine weitere am Triumphbogen um 1750. Zugleich bereichert eine hl. Ottilie, welche dem "Meister von Illerzell" zugeschrieben wird und eine Madonna der "Ulmer Schule" (1500) das Innere.
Öffnungszeiten
Die Kirche ist während des Tages im Allgemeinen geöffnet. Die Maria-Hilf-Kapelle mit schlichter Ausstattung und einer Maria-Hilf-Darstellung von Johann Schmidt (1872) im Altar ist nicht geöffnet, allerdings durch Fenster an der Kirche einsichtbar.