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Filialkirche St. Nikolaus in Hammerstetten

Ein Rokokojuwel besitzt unsere Pfarreiengemeinschaft mit der Filialkirche St. Nikolaus in Hammerstetten. Lesen Sie hier mehr.

Baugeschichte

1439 wurde von Propst Stephan, Augustinerchorherr von Wettenhausen, eine Kapelle zu Ehren seines Namenspatrons in Hammerstetten errichtet. Die Kapelle, an der einst eine Burg gestanden hat, wurde von Simpert Kramer 1720 durch eine kleine Nikolauskirche ersetzt. Probst Augustin Bauhof ließ 1762 mit dem berühmten Stiftsbaumeister Joseph Dossenberger die Kapelle zur heutigen Kirche erweitern, welche im Zusammenklang mit den Fresken und Gemälden des Johann Baptist Enderle, der in den Jahren 1763/64 die pastellfarbigen Fresken und meisten Bilder schuf, einen charmanten Rokokobau bildet. Der eliptische Grundriss findet seine Vorbilder in der Wallfahrtskirche von Steinhausen bei Bad Schussenried (1733) und besonders in nahegelegenen Frauenkirche in Günzburg (1741), beides Bauten des berühmten Wessobrunners Dominikus Zimmermann.

Außenbau

Das gerundete Steildach ragt in exponierter Lage des Dorfes gen Himmel. In der eliptischen Verlängerung, über der Apsis der Kirche von 1720 mit späten Akkantusornamenten, erhebt sich der zierlich, quadratisch aufgeführte Turm und endet in einer mehrfach verkröpften welschen Haube, welche an ihren vier Turmseiten mit Dreiecksgiebeln stark eingeschnitten ist. Die ausschwingenden Seiten des Langhauses werden durch Pilastermalung und Rokokofenster gegliedert, wobei die Fenster im Langhaus ein Paar bilden, welches oben durch ein drittes, fächerförmiges Fenster zusammengruppiert ist. Das Vorzeichen schließt sich im Westen an, bildet zugleich den Eingang zum Friedhof und ist mit dessen Mauer verbunden. Im Osten ein kleiner Vorsatz, der die Sakristei bildet und vom Vorgängerbau stammt. Darin feine Stukkaturen aus der Zeit zum Übergang in den Regènce. 

Im Vorzeichen zwei anmutige Figuren des hl. Nikolaus (links) und des hl. Leonhard (rechts), sowie in einer unweit davon nördlich eingefügten Nische die Statue des verspotteten Christus.

Innenraum

Im Inneren dominieren die Lichtfülle durch die großen Fenster, die doppelte Abstufung, bedingt durch zwei Altarpaare im Langhaus und Chorraum, sowie die zahlreichen Fresken an Decken und Wänden mit den goldenen Akzenten an Plastik und Stuck.

Die Fresken stellen folgende Inhalte dar:

  1. Chordecke: Der hl. Nikolaus in himmlischer Herrlichkeit entrückt, ist Fürsprecher für alle Menschen;

  2. Langhaus: Propst Augustin mit Gefolge empfiehlt das Dorf dem hl. Nikolaus

  3. Gewölbeübergänge (vier Episoden aus dem Leben des hl. Nikolaus)

    1. Rettung der Schiffbrüchigen

    2. Unschuldige Märtyrer bei Konstantinopel

    3. Öl vom Grab des hl. Nikolaus

    4. Rettung eines Kindes

  4. Über den Fenstern:

    1. Die Taufe des hl. Nikolaus

    2. Vision seines Platzes im Himmel

  5. Unter der doppelten, geschweiften Empore: je 7 zusammengruppierte Kreuzwegmedaillons

  6. Emporen: 1. obere E.: Tod des hl. Nikolaus und 2. untere E.:

    1. Nikolaus beim Konzil von Nizäa

    2. Kirchenväter

    3. Ölberg, Abrahams Opfer und Moses beim Dornbusch

  7. Vorzeichen: Jakobsleiter

  8. [Nördliche Außenseite:] Nische: Der hl. Nikolaus als Fürsprecher für die Armen Seelen.

Die Altäre sind unterschiedlich beschaffen, aber ein zusammenklingen aus Holz und Stuck bzw. Stuckmarmor und Fresken bzw. Gemälden. Es ist dargestellt:

  1. Hochaltar: Hl. Nikolaus als inniger Marienverehrer mit seinen drei Goldkugeln als Attribut, welche auf seine Nächstenliebe und Freigiebigkeit verweisen (Gemälde; 1765), Auszug: Gott Vater

  2. Linker Seitenaltar: Hl. Aloisius von Gonzaga, Auszug: Hl. Sebastian

  3. Rechter Seitenaltar: Hl. Leonhard, Auszug: Hl. Florian. Es bestand, wie das Altarbild verdeutlicht, ein Leonhardiritt, welcher als Reitwettlauf vom Nußlacher Hof zur Ortsmühle führte. Der Verlierer bekam ein Dornengebinde.

  4. Linker Langhausaltar: Hl. Wendelin, Auszug: Antonius der Einsiedler

  5. Rechter Langhausaltar: Hl. Ubaldus, Auszug: Hl. Augustinus

Die Ausstattung der Kirche vermittelt die kirchlichen Feiertage des unmittelbaren Probsteigebietes Wettenhausen: 20.1. - Fest des heiligen Sebastian; 23.4. - Fest des hl. Georg; 16.5. - Fest des hl. Ubaldus (Patron gegen dämonische Einflüsse; mit Brotsegnung); 4.7. - Fest des hl. Ulrich (Wallfahrt zu ULF nach Wattenweiler); 28.8. - Fest des hl. Augustinus; 21.10. - Fest des hl. Wendelin (mit Weihe des Wendelinswasser; Hirtenbruderschaft [1721]); 7.11. - Fest des hl. Leonhard (mit Leonhardiritt); 21.11. - Maria Opferung; 6.12. - Fest des hl. Nikolaus (Patrozinium; Nikolausbruderschaft [1712]).

Weitere Ausstattungsstücke

Am linken Triumphbogenpilaster eine edle Muttergottesstatue in der Art von Christoph Rodt (ca. 1620), gegenüber ein einfaches Kruzifix aus der Ausstattungszeit der Kirche. Ebenso zwei silbergefasste Altarbüsten des Salvators und Mariens am Hochaltar, silbergefasste Medaillons der vier Kirchenväter an den Choraltären, schwungvolle Rokokofiguren des hl. Josef und hl. Johannes Nepomuk am linken und rechten Langhausaltar, der hll. Joachim und Anna, welche den Hochaltar flankieren, sowie eine anmutige Kanzel um 1762 mit den vier Symbolen der Evangelisten, zwischen Fenster und linkem Langhausalter eingerichtet.

In der Kirche ist dem hl. Wendelin der linke Langhausaltar geweiht, sowie eine eigene volkstümliche, aber qualitätvolle Statue geweiht. An der Kirche bestand bis in das 19. Jahrhundert eine Hirtenbruderschaft, deren Patron der hl. Wendelin ist. So wird neben dem Patrozinium am 6.12. besonders das Fest des hl. Wendelin am 20.10. gefeiert.

Öffnungszeiten

Die Kirche ist zu den Gottesdienstzeiten geöffnet. Den Kirchenschlüssel hütet Fr. Marlene Thanner, Stubenweiherweg 7, Tel.: 08222 5899. Auf Anfrage bei ihr oder im Pfarrbüro kann Ihnen außerhalb der Gottesdienstzeiten gerne die Kirche zugänglich gemacht werden.