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Pfarreien, Gottesdienste, Veranstaltungen

Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Wettenhausen

Die ehemalige Klosterkirche ist ein kunsthistorischer und landschaftlicher Akzent. Lesen Sie hier mehr dazu.

Geschichte

Das Kloster wird zum ersten Mal 1130 in einem Stiftungsbrief des Bischofs Hermann von Augsburg urkundlich erwähnt. Die Jahreszahl 982, welche mit der Klostergründung genannt wird, verbleibt somit in geschichtlichem Dunkel. Gräfin Gertud von Roggenstein habe zusammen mit ihren beiden Söhnen das Kloster gestiftet. Sitz der Grafenfamilie war dort, wo sich heute im Wald das Ziel des Kalvarienberges erhebt, die Kreuzigungsgruppe.

Gesichert ist für das Jahr 1387 der Erhalt der niederen Gerichtsbarkeit und für das Jahr 1566 die Reichsunmittelbarkeit. Unter Propst Hieronymus Roth nahm das Kloster zunächst Aufschwung, welcher durch den Dreißigjähringen Krieg jäh gebremst wurde. Unter Propst Dionysius von Rehlingen erblühte das Kloster von neuem. Es folgte 1802 die Säkularisation und 1865 die Wiederbesiedlung durch die Dominikanerinnnen.

Außenbau

Am östlichen Teil des Nordflügels angebaut, befindet sich die ehemalige Kloster- und heutige Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. In der Chronik wird 1405 vermerkt, dass das Gotteshaus seit alters her als "Münster" oder "Goldenes Haus" (domus aurea) bezeichnet wird. Ferner ist das Gotteshaus mit der Portalinschrift des Dionysius von Rehlingen als "Basilika" tituliert. In Verbindung zur Inschrift des Grundsteins und der Widmung auf der Westfassade ist die Kirche als ein Bau zur Ehre der Heiligsten Dreifaltigkeit, der Jungfrau und Gottesmutter Maria, des hl. Josef, sowie der hl. Joachim und Anna, Georg und Augustinus und der hl. Engel (vgl. "den himmlischen Heerscharen") ausgewiesen. 

Der ehemals romanische Bau aus dem 12. Jahrhundert erhielt 1520 durch Propst Ulrich Hieber einen fünftürmigen Glockenturm ("Fünfknopfturm"; vgl. die Anlagen in Kaufbeuren oder Schwäbisch Gmünd). Zwei Jahre danach erhielt der Chor einen gotischen Umbau und 1612 erhielt der obere Turmteil eine oktogonale Struktur. Michael Thumb baute unter Propst Dionysius die Kirche im barocken Sinn um. Palier war ein anderer Bekannter aus der Vorarlberger Schule, nämlich Valerian Brenner. 1687 erfolgte die Einweihung.

Die sechsachsige Wandpfeilerkirche, mit hoher Westfassade, mächtiger Westempore und querschiffartigen Kapellenanbauten bildet mit ihrem mächtigen und von einer Zwiebel gekröntem Turm ein landschaftsprägendes Ensemble, zusammen mit den Klosterbauten, welche ebenso von Zwiebeltürmen dominiert werden (vgl. Kloster Stams, Kloster Rot an der Rot).

Innenraum

Die Stuckdekoration, welche 1685 fertiggestellt wurde, stammt von den Wessobrunnern Georg Vogel und Christoph Gigl. Lorbeerstäbe und verschiedenste Fruchtgehänge machen zusammen mit zahlreichen Engelsköpfen und Draperien den schweren Stuck aus. Johann Georg Knappich schuf zur gleichen Zeit einen bedeutenden frühbarocken Zyklus, welcher 1892 vom Fischacher Maler Leonhard Thoma im Sinne der dominikanischen Spiritualität übermalt wurde (u.a. Spendung des hl. Rosenkranzes), da die neuangesiedelten Dominikanerinnen mit den übrigen Klostergebäuden auch die Pfarrkirche zu erwerben gedachten. 

Die Altäre, welche in braun und gold gehalten sind stammen aus der gleichen frühbarocken Zeit. Im Hochaltar das Gemälde der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, von Knappich gemalt. Im Auszug ist die Dreifaltigkeit bereit, um die Gottesmutter zu empfangen. Johann Heiß malte zur gleichen Zeit die Kreuzigung Christi im vorderen linken Seitenaltar, der zusammen mit dem installierten Kreuzweg die 12. Station bildet. Im Auszug des Altars der hl. Georg, der durch sein Patronat für die Adeligen und Ritter eine Verbindung zur Gründungsgeschichte des Klosters bildet. Im rechten Seitenaltar ist der hl. Augustinus vor der heiligsten Dreifaltigkeit dargestellt, im Auszug der hl. Martin von Tours.

In der linken querschiffähnlichen Kapelle befindet sich ein Altargemälde der hl. Sippe, von Matthias Pußjäger 1694 ausgeführt. Auf der Mensa ein spätgotisches Vesperbild, welches als Gnadenbild verehrt wird. Um das Gnadenbild zwei Bäume mit je drei auf Blech gemalten Darstellungen, sodass dieser untere Bereich den Sieben Schmerzen Mariens zugedacht ist und sich als 13. Station in den Kreuzweg der Kirche einfügt.

Das Pendant auf der rechten Seite birgt den Bruderschaftsaltar (vulg. "Marienaltar") der 1640 gestifteten Rosenkranzbruderschaft. Das Mittelfeld stammt aus dem ehemaligen gotischen Hochaltar der Klosterkirche. Der Ulmer Schule zugehörige Martin Schaffner ist Urheber des Altars, welcher 1524 angefertigt wurde. Der prächtige Altar - eingerahmt von auf Blech gemalten Rosenkranzgeheimnissen - ist letzter Höhepunkt des Künstlers und mag nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland im Allgemeinen und Schaffner im Speziellen nicht mehr auf der Höhe ihrer Zeit waren. Die allgemeine Krise mit der alles erfassenden Reformation findet ihren Wiederhall auch in der Kunst. Nichts desto trotz staunen wir über diesen Altar, dessen gemalte Flügel heute in der Alten Pinakothek zu finden sind.

Die Kanzel stammt von 1670 und zeugt in ihrer Größe und Wucht von barocker Blüte. Die schwungvollen Beichtstühle und das zweifaltige Chorgestühl neben der Orgel stammen aus der Hand eines Burgauer Meisters und verweisen mit der Jahreszahl 1760 auf den ausklingenden Barock. Ebenfalls aus dem Rokoko die gefälligen Marienallegorien aus der Hand Johann Baptist Enderles (1762). Monumentale Gedenktafeln an den Wänden für die Herren von Roth, Propst Dionysius von Rehlingen und Gräfin Gertrud von Roggenstein ergänzen das Innere. Um den Hochaltar befinden sich die auf Leinwand gemalten vier abendländische Kirchenväter, wobei die Leinwand einen Stoffbehang vortäuscht. Künstler war hierfür 1780 Johannes Christoph Anwander, Konventuale des Klosters und Enkel des bekannten Rokokomalers Johann Anwander aus Lauingen.

Grab der (seligen) Adelheid und andere Epitaphien

Weiterhin besitzt die Kirche ein überaus reiches Emporengitter von 1760. Dazu einen hl. Nikolaus (um 1450), sowie einige wertvolle Epitaphien mit Rokokorahmung für Propst Ulrich Hieber (+ 1532; vgl. Fuggerkapelle in Augsburg), Propst Dionysius von Rehlingen (+1692), Ulrich von Roth (+1462), sowie ein Grabstein für Adelheid von Roth (+1390), auf deren Stein die Entstehung von Krumbad bei Krumbach gemalt ist. Die tugendhafte Adelheid wurde nach ein paar Monaten Ehe von ihrem Mann der Untreue beschuldigt. Dieser versuchte sie mit einem Dolch zu töten, woraufhin Adelheid in eine nahegelegene Scheune flüchtete. Ihr Ehemann Ulrich von Ellerbach, ließ daraufhin die Scheune an drei Stellen anzünden, wobei der Leib Adelheids unversehrt aufgefunden wurde. Als göttliches Zeichen der Unschuld Adelheids enstanden an den Stellen, an denen das Feuer gelegt wurde, Quellen, die zukünftig zum bekannten Kurtort "Krumbad" wurden. Am Ort des Familiengrabes wurde Adelheid beigesetzt. Durch göttliche Fügung bekehrte sich ihr Mann nach einigen Jahren und verstarb in Wettenhausen, sodass er nun neben seiner Frau ruhen darf. Adelheid wurde vom Volk wie eine Heilige verehrt, was beispielsweise die Darstellung bei der Adelheidisquelle in Krumbad klar zum Ausdruck bringt.

Schließlich bleibt sowohl die Sakristei mit ihren aufwändigen Eichenschränken aus den Jahren 1670 als auch die Augustinusreliquie zu erwähnen, welche 1684 vom Kloster Schöntal geschenkt wurde (siehe hierzu den eigenstsändigen Beitrag).

Gerichtsmänner

Im Ort selber hat sich eine eigentümliche Tradition erhalten, die s.g. Gerichtsmänner. Um ihnen angehören zu können müssen verschiedene Bedingungen erfüllt werden:

  1. männlich

  2. wohnhaft in der Pfarrei Wettenhausen (mit Filialen)

  3. katholisch

  4. guter Ruf

In der Kirche sind den Gerichtsmännern die ersten beiden Bänke der hinteren Hälfte auf der linken Seite reserviert. Zu den offiziellen Anlässen sind sie mit einem schwarzen Gerichtsmantel bekleidet. Dieser wird oft von Generation zu Generation weitergegeben. Der Gerichtsmänner gibt es insgesamt zwölf und einer von ihnen gilt als Schriftführer, welcher die Ereignisse dieser Gruppe von Ehrenamtlichen - im wahrsten Sinne des Wortes - im Jahresverlauf festhält.

Die traditionellen Pflichten der Gerichtsmänner, wie sie zuletzt protokollarisch am 9.4.2017 festgehalten wurden, sind:

  1. Begleitung des Pfarrers bei seiner Installationsfeier bzw. Verabschiedungsfeier

  2. Ehrengeleit des Pfarrers bzw. des Allerheiligsten bei den Festprozessionen

    1. Tragen des Himmels (die vier jüngsten Gerichtsmänner) bzw. der Bruderschaftsstangen (die restlichen Mitglieder) an Fronleichnam

    2. Tragen von Palmzweigen am Palmsonntag zur Prozession

  3. Totendienst

    1. Nach dem Tod eines Pfarrers tragen die Gerichtsmänner den Pfarrer bei der Beerdigung in Wettenhausen zu Grabe

    2. Nach dem Tod eines Gerichtsmannes tragen die vier jüngsten Mitglieder ihren Bruder zu Grabe. Der Älteste trägt das Grabkreuz. 

    3. Die Mitglieder lassen nach dem Absterben eines Mitglieds bzw. dessen Ehefrau zwei hl. Messen zur Seelenruhe lesen. Die Kosten tragen die Gerichtsmänner. 

Die Tradition der Gerichtsmänner ist ein Relikt aus der Geschichte, welche eng mit den Augustinerchorherren verwoben ist. Das Kloster und seine Besitzungen befanden sich mitten in der ehemaligen Markgrafschaft Burgau. Privilegien in dieser Markgrafschaft, wie die Feuerstattguldenfreiheit (3.2.1492), mit welcher die Niedere Gerichtsbarkeit einherging, hatte das Kloster mit seinen Gütern schon 1387 durch Herzog Albrecht von Österreich empfangen. Damit verbunden ist der Erlaß einer eigenen Strafordnung, welche bis 1525 gültig war. Urkundlich ist dies nochmals beim Verzicht der Landvögte Burgaus auf das Vogeitrecht in Wettenhausen am 13.10.1460 festgehalten. 1491 wurden im Territorium des Stiftes vier Ämter eingerichtet: die Vogtämter Ettenbeuren, Kemnat und Wattenweiler, sowie Wettenhausen mit dem Sitz des Oberamtes; 1508 kam das Gerichtsamt Unterbleichen und 1746 das Vogamt Großkötz dazu. Das Niedergericht urteilte über Grenzsteinverrückungen, Diebstähle oder Ähnliches.

Trotz diesem territorial-rechtlichen Rahmen gab es bis zur Säkularisation immer wieder Streitigkeiten zwischen dem Kloster Wettenhausen - welches seit jeher nach größtmöglicher Unabhängigkeit strebte - und der Markgrafschaft. Da zudem bei der Klosterstiftung das freie Vogtwahlrecht zugesprochen wurde, bemühte sich das Kloster um die je besten Vogtherren (Schirmherren). Blieben dies anfangs noch die Herren von Burgau (erster urkundlich erwähnter Vogtherr ist Bruno von Burgau, 1147), wurden diese von den Herren von Berg, den Herzogen von Österreich, den Rittern von Knöringen, vom bekannten Georg von Frundsberg (Mindelheim), der Reichsstadt Ulm oder dem Fürstbischof von Augsburg abgelöst.

1533 erhielt das Kloster Aufnahme in die Reichsritterschaft und 1566 beim Augsburger Reichstag die Reichsunmittelbarkeit.

Die Geschichte der Gerichtsmänner, also der Urteilsfinder oder Schöffen im Gerichtsprozess, hängt nun allerdings mit der Hohen Gerichtsbarkeit zusammen. Nach mehreren Bemühungen erhielt der emsige Propst Dionysius von Rehlingen 1671 das Recht „von Fall zu Fall“ die Hohe Gerichtsbarkeit auszuüben. Diese betraf außerordentliche Fälle, s.g. Malefizfälle, in denen sozusagen wegen des „vergossenen Blutes“ bei Todschlag, Mord, Brand oder Diebstahl geurteilt wurde (Blutbann). 1671 wurde eine Wasenmeisterei, zunächst unterhalb der Kirche angedacht, errichtet. Der Wasenmeister, welcher für die Verwertung der Tierkadaver eingesetzt war, hatte zugleich das Amt eines Freimanns und Scharfrichters inne, da direkt oberhalb der Meisterei der Galgenberg mit dem Galgen, also dem „Hohen Gericht“, stand. Verständlicherweise war dieser Beruf und das Amt in der Bevölkerung nicht angesehen. An der Abzweigung zu der Anhöhe an der Hammerstetter Straße ist bis heute ein Bildstock erhalten, der ursprünglich eine Schmerzensmutter barg. Volksgeschichtlich heißen diese Bildstöcke „Urlaubsbilder“, da die Angehörigen der Verurteilten dort von ihnen „Urlaub“, also Abschied nehmen mussten.

Ein anderer Ort, der mit der Gerichtsbarkeit zusammenhängt ist die bis heute bestehende Gemarkung "An der Richtstatt", welche sich am Kreisverkehr der Dossenberger- und Jettingerstraße befindet. Ob dies von einer (urzeitlichen) Richtstatt oder einem gesonderteren Exekutierungsort - im Gegensatz zum Galgen bspw. ein Schafott - herührt, ist nicht gesichert, zumal umgangsprachlich eine "Richtstatt" verschiedene Bedeutungen gehabt hat.

Am 31.10.1686 erhielt Dionysius eine Erweiterung des Blutbanns bis „auf Widerruf“. Dieses Recht blieb den Pröpsten bis zum Tod von Propst Augustin Bauhof (3.7.1776), als unmittelbar danach der Landrichter von Burgau die zwölf Gerichtsmänner des Ortes im Rathaus sammelte und ihnen zu verdeutlichen suchte, dass es die Meinung Kaiser Josephs II. sei, Wettenhausen die Hohe Gerichtsbarkeit zu entziehen. Da wegen den „ländlichen Umständen“ verhältnismäßig wenig Todesurteile vollstreckt wurden, drang die Burgauer Herrschaft ferner darauf. Der Landrichter beließ den Hiesigen die äußeren Zeichen von „Stock und Galgen“, sodass in der Chronik festgehalten wird, man könne meinen, die Hohe Gerichtsbarkeit schlafe eher, als dass sie eingestellt wurde. Und bis auf den heutigen Tag hat sich die oben erwähnte Kleidung der schwarzen Mäntel erhalten.

Der Ort für die richterlichen Geschäfte war das s.g. Alte Schulhaus (Dossenberger Str. 53), unterhalb des klösterlichen Amtsgebäudes. In diesem scheint auch das örtliche Gefängnis untergebracht gewesen zu sein. Das oberhalb gelegene und mit zwei Erkern hervorgehobene und ebenfalls denkmalsgeschützte Anwesen, welches 1898 der Pfarrhof wurde (Dossenberger Str. 55) - vorher wohnten die Pfarrer im Bereich des Klosters -, war seit der Erbauung 1684 Wohn- und Amtshaus des Oberamtsmanns ("Oberammann") des Reichstifts. Dieses Amt ist in etwa äquivalent mit einem Obervogt, Landeshauptmann oder heute Landrat. Rudolph von Goldbach (+ 1756), dessen Name heute noch im Alten Friedhof zu lesen ist, war einer der bedeutendsten Amtsinhaber. Diese "Stiftskanzlei" war zentral und übgergeordnet für Rechts- und Vertragsabschlüsse, die Führung des Steuerregisters und die Vertretung oder das Prozessieren in klösterlichen Interessen - u.a. beim Schwäbischen Reichstag - zuständig. Von 1803-1898 diente dann das Anwesen als Amtsgebäude des Landrichters von Burgau. Die Baulast ging mit der Säkularisation an den Staat über und Anfang des 21. Jahrhunderts an die Kirche (Pfründestiftung St. Ulrich). Obwohl noch im Sommer 1992 eine große Sanierung des Gebäudes gemacht wurde, befindet sich das Haus aktuell in einem schlechten Zustand, sodass es 2024 an die Pfründestiftung zurückgegeben wurde und das Pfarramt mit Pfarrerwohnung nach Ettenbeuren verzieht.

Öffnungszeiten

Die Kirche ist in der Regel täglich von 9.00 - 17.00 Uhr geöffnet.