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Filialkirche St. Ottilia in Ried

Die schöne Filialkirche von Ried erschließt sich dem vorbeifahrenden Autofahrer nur wenig. Lesen Sie hier mehr zur Kirche St. Ottilie.

Erscheinungsbild

1778 hat Joseph Dossenberger unter Beibehaltung des Kirchturms und der Chorwände vom Vorgängerbau um 1750 diese schmucke Kirche errichtet. Die Umgebung, als auch die Lage an der Staatsstraße lassen nur wenig auf das heitere Innere schließen, wozu die gelungene Gewölbeverbindung, die abgerundeten Ostecken und die Pendentifkuppel in der Apsis beitragen. Während der quadratische bzw. oktogonale Turm mit seiner Zwiebelhaube auf den Vorgängerbau verweisen, vermittelt der Innenraum mit seinen erdfarbenen Fresken ein heiteres Bild des späten Rokoko.

Wallfahrtsort

Als Wallfahrtsort zur hl. Ottilie ausgewiesen, ist über dem Chor die Glorie der Patronin dargestellt. Sie tritt für das Dorf und alle Anliegen der Menschen ein. Ansehnliche Votivgaben im hinteren Teil der Kirche bestätigen auffallende Gebetserhörungen. Sowohl das Hochaltargemälde mit der Patronin und ihren typischen Attributen der offenstehenden Augen auf einem Buch, als auch eine in der Kirche verwahrte Reliquie der Heiligen machen das Kirchlein zu einem Verehrungsort der hl. Ottilie.

Fresken

Maßgeblich gestalten die Fresken von Menrad Hengge von 1778 den Innenraum. Unschwer ist zu erkennen, dass dieser Künstler aus dem Umkreis von Johann Baptist Enderle stammt. Im Chor das besagte Fresko, an der Gurtzone das Wappen der Vöhlin-Sandizell. Im Langhaus ist die Himmelfahrt Mariens, daneben das apokalyptische Lamm, die Kirchenväter und die Bundeslade dargestellt. Am rechten Seitenaltar - jeweils in Freskotechnik - der hl. Josef und links ein seltenes Bild Mariens, als "Maria gravida", der schwangeren Muttergottes.

In der Weiterentwicklung dieses Typus wurde Maria auch unter dem Titel der "Ährenmadonna" verehrt. Dieses Motiv findet seinen Ursprung im Mailänder Dom (1387) und verbreitete sich besonders in Österreich und Böhmen (Budweis, 1410). Die schwangere Muttergottes (vgl. Lieder "Als Maria, übers Gebirge ging", "Maria durch ein Dornwald ging"; vgl. zweites freudenreiches Rosenkranzgeheimnis "Den du o Jungfrau zu Elisabeth getragen hast"; vgl. den Brauch des "Frauentragens" im Advent) hat in Niederbayern einen exzellenten Wallfahrtort mit Bogenberg - bekannt durch die Kerzenwallfahrt und berühmt als ältester Wallfahrtsort Bayerns (1104) - und im ehemaligen Niedersteyr in Slowenien den Wallfahrtsort Maria Rast in Ruše (seit 900), auf welchen nun das Fresko in der Kirche von Ried zurückgeht.

Die Kanzel aus Stuck stammt aus dem Erbauungsjahr der Kirche.

Öffnungszeiten

Die Kirche ist üblicherweise verschlossen. Auf Anfrage im Pfarrbüro kann der Zugang gerne ermöglicht werden. Ansonsten ist die Kirche zu den monatlichen Messzeiten und am Patroziniumsfest geöffnet.

Kapelle am Ortsende

An dieser Stelle auch ein kurzes Wort zur Straßenkapelle am südlichen Ortsende. Als einfacher Satteldachbau wurde die Kapelle in der Art ihrer Vorgängerin aus dem 19. Jahrhundert 1972 an der gleichen Stelle errichtet. Im Inneren ein Sühnekreuz aus dem 17. Jahrhundert und vor allem eine schmerzhafte Muttergottes, die um 1430 datiert wird und eine echte Schönheit darstellt!

Georg Hösle

Gebürtig aus Ried (1649-1727) wurde Georg Hösle schließlich Kaplan in St. Barbara in Augsburg und Apostolischer Protonotar. Sein Grabmal befindet sich im Kreuzgang des Augsburger Domes. An seiner Heimatkirche in Ried errichtete er eine Stiftung zur Abhaltung einer wöchentlichen Messe, sowie in Behlingen eine Frühmessstiftung an den kirchlichen Sonn- und Feiertagen.