Wie ein Wächter über das breite Günztal thront die Pfarrkirche von Wattenweiler am nördlichen Ende des Ortes auf dem Hang, der das Tal nach Osten begrenzt. Der schlanke Bau im neugotischen Stil besteht, für hiesige Gefilde eher ungewöhnlich, komplett aus unverputztem rotem Ziegelmauerwerk. Schlicht und geradlinig wirkt die Kirche dadurch auf den Besucher, wenn er die Treppe zum Portal hinauf steigt.
Geschichte
Erstmals wird Wattenweiler im Jahre 1399 als Pfarrei erwähnt. Die erste Kirche im Ort stammte vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Von ihr ist nur wenig bekannt. Sie wurde im Frühjahr 1856 abgebrochen, da sie baufällig und für den Ort zu klein geworden war. Der Grundstein zur heutigen Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde am 02.07.1856 gelegt. Geplant wurde der Kirchenbau vom damaligen Civilbauinspektor Georg Freiherr von Stengel. Bereits Ende des Jahres 1856 stand der Rohbau, 1857 folgte der Kirchturmdachstuhl. 1859 wurde der neugotische Hochaltar aufgebaut, 1860 folgten die Seitenaltäre und die Kanzel. Die Einweihung erfolgte am 17.05.1863 durch Bischof Pankratius v. Dinkel. Ende des 19 Jh. erhielt die Wattenweiler Kirche neue Altäre vom Krumbacher Max Bosch. Eine erste Renovierung erfolgte 1953, letztmals wurde die Kirche von 2005 bis 2009 renoviert.
Der Hochaltar
So ungewöhnlich wie die Backsteinbauweise des Kirchenbaues, so ungewöhnlich ist auch der neugotische Hochalter von St. Peter und Paul. Anstatt eines Hochaltarbildes dominiert über dem Tabernakel eine figürlich gestaltete Kreuzigungsgruppe den Altaraufbau, Jesus Christus am Kreuz, an seiner Seite die Heilige Maria und der Apostel Johannes. An den Außenseiten des Altares flankieren die Apostel Petrus (mit Schlüssel) und Paulus (mit Schwert) die Kreuzigungsgruppe. Über der Kreuzigungsgruppe streben die schlanken, fast zierlichen Trumaufbauten des Hochaltares wie Glaube und Hoffnung gen Himmel. An der Frontseite des Altarstipes befindet sich ein als Relief ausgebildetes eindrucksvolles Antependium. Es zeigt links den Hohepriester Melchisedek, der Brot und Wein opfert, in der Mitte Jesus Christus (das letzten Abendmahl), und rechts Abraham, bereit, auf das verlangen Gottes hin seinen Sohn Isaak zu opfern. Ein Engel hält ihn im letzten Moment zurück.
Unsere Madonnen
Eine besonders anmutige Madonna mit Jesuskind steht im rechten Seitenaltar. Sie stammt aus der Werkstatt des Ulmer Bildschitzers Jörg Syrlin d. J. (um 1500). Nach überlieferten Aufzeichnungen stand sie ursprünglich in der Vorgängerkirche im Schrein des Hochaltares. Eine ausdrucksstarke Strahlenkranzmadonna mit Jesuskind krönt den Schalldeckel der Predigtkanzel. Der um die ganze Figur reichende Strahlenkranz soll die besondere Verehrung der Madonna ausdrücken. Auch sie hatte bereits ihren Platz in der Vorgängerkirche.
St. Nikolaus in Höselhurst
Die erstmalige urkundliche Erwähnung einer Kirche in Höselhurst geht auf das Jahr 1367 zurück. Erst zur Pfarrei Ichenhausen gehörig, wurde Höselhurst später vom Augustinerchorherrenstift Wettenhausen geführt. Im Jahre 1455 erhob der Probst des Augustinerchorherrenstiftes Wettenhausen die Filialpfarrei Höselhurst in den Rang einer selbständigen Pfarrei. Während des 16. Jh. wurden die Pfarreien von Höselhurst und Wattenweiler dann als Wechselpfarreien weitergeführt. Beide Pfarreien wurden dadurch abwechselnd besetzt. Ende des 16 Jh. entstand am heutigen Kirchenstandort ein spätgotischer Kirchenbau. Teile dieser Kirche sind noch in der heutigen St. Nikolauskirche erhalten. Eine umfangreiche Renovierung am Hochaltar und gleichzeitige Vergrößerung der Kirche wurde 1747 unter Probst Melchior Gast von Wettenhausen durchgeführt. In den Jahren 1987/88 wurde das Mauerwerk saniert. Über dem Hochaltar befindet sich eine äußerst seltene, als Hochrelief ausgeführte Darstellung der Beweinung Christi. Die Heilige Maria hält weinend die Hand Jesu, dessen Leichnam bereits vom Kreuz abgenommen ist und leblos vor ihr liegt. Um die Heilige Maria und Jesus Christus in Schmerz und Trauer versammelt, noch nichts von der bevorstehenden Auferstehung Christi ahnend, sind der Apostel Johannes, Josef von Arimathäa, Nikodemus, Maria von Magdala, Maria die Mutter des Jakobus und die Jüngerin Maria Salome.
Die Legende besagt, dass dort, wo heute die Wallfahrtskirche Maria Feldblume steht, einst ein hohler Eichenstamm stand, in dem immer wieder die Muttergottesfigur aus der einstigen Schlosskapelle gefunden wurde. Dies als göttliches Zeichen deutend, errichtete der damalige Wattenweiler Ortspfarrer Johann Kaspar Fridlos im Jahre 1672 über dem Eichenstamm eine hölzerne Kapelle. Zwölf Jahre später, im Jahre 1684, wurde an dieser Stelle durch den Prälaten von Wettenhausen, Dionysius v. Rehlingen, der Grundstein zum Bau einer Kirche gelegt. Über die Jahrhunderte erfolgte eine wechselhafte Geschichte, die mit einer mehrjährigen Sanierung 1994 endete. Nur die beiden ursprünglich geplanten Türme fehlen noch bis auf den heutigen Tag. Der Lauf der Geschichte ließ deren Vollendung nie zu. Das Gnadenbild über dem Hochaltar zeigt die Figur der Heiligen Madonna, eingerahmt von einem goldenen Strahlenkranz und neun Bildtafeln. Acht davon mit marianischen Motiven, eine mit einem Motiv aus dem Hohelied des alten Testamentes, einem Rosenstrauch und der Inschrift "Ich bin eine Feldblume". Diese gab der Kirche und dem Gnadenbild ihre Namen. Viele Wallfahrer kamen schon nach Wattenweiler, um vor dem Gnadenbild die Hilfe der Muttergottes zu erbitten.