Kirche "St. Peter und Paul" Modelshausen
Kirchenführer Kirche "St. Peter und Paul" Modelshausen
Geschichtlichtes
Seit dem 11. Jahrhundert siedelten sich in diesem Gebiet Menschen an. 1129 wird ein alemannischer Bauer namens Noutholt erwähnt, der hier seinen Hof betrieb. Doch zunächst war der Pfarrsitz im nahen Hinterbuch, 1391 erwähnt. Von der damaligen Kirche fehlt jedoch heute jede Spur. Denn der Pfarrwohnsitz wurde später nach Modelshausen verlegt. 1448 wurde die Pfarrei Modelshausen erstmalig erwähnt. Offenbar wurde eine kleine Kirche erbaut, denn 1713 wurde sie von Pfarrer Martin Forstner, gestorben 1736 erweitert. Da 1906 Bocksberg von der Pfarrei Laugna zur Pfarrei Modelshausen kam, beabsichtigten unsere Vorfahren, eine stattliche Kirche zu bauen. Doch der 1. Weltkrieg machte das Vorhaben zunichte. So wurde die vorhandene barocke Kirche 1921 im Kirchenschiff erweitert. Da die finanziellen Mittel eine weitere Ausgestaltung nicht erlaubten, wurden 1947 der Stuck und die Fresken angebracht. 1988 wurde die Kirche außen renoviert und 1992 innen mit erheblichem Einsatz fleißiger Helfer.
Kurze Beschreibung der Kirche
Der Haupteingang der Kirche liegt im Westen. Der Blick fällt auf den Hochaltar im Osten, Christus der aufgehenden Sonne entgegen. Das Deckengemälde zeigt Christus als den Allherrscher. Christus spricht: Siehe, ich komme bald und mit mir bringe ich den Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht. Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende (Offenbarung 22,12f).
Der Altar stammt noch aus der frühen Kirche um 1700. Die Bilder hingegen mit Tabernakel von 1921. Das Altarbild zeigt die ersten Zeugen Christi, rechts den Heiligen Petrus mit dem Schlüssel, zu Füßen die Tiara. Denn zu ihm sagte der Herr: Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, Matthäus 16,19. Links steht der Heilige Paulus mit dem langen Schwert. Denn er wurde wegen dieses Zeugnisses zusammen mit Petrus etwa im Jahre 67 unter Kaiser Nero hingerichtet. Über ihnen sehen wir das Ölbild der Heiligen Familie. Durch ihr Blutzeugnis sind sie in die himmlische Familie heimgekehrt. Zwei betende Engel verehren Jesus Christus, der im Tabernakel Tag und Nacht bei uns weilt.
Die Bilder seitlich des Hochaltars, etwa um 1750, vermutlich den nicht mehr vorhandenen Seitenaltären stammend, zeigen rechts die Heilige Ottilia. Auf der Bibel ruhen zwei Augen. Sie wird im nahen Dorf Asbach als Patronin der dortigen Kirche verehrt. Sie wurde blind geboren. Doch bei der Taufe wurde sie auf wunderbare Weise von ihrer Blindheit geheilt. Sie legte ihre Adelskrone nieder, wurde Nonne und Äbtissin, gründete in der Nähe von Straßburg das Kloster Odilienberg und dann Niedermünster. Beide Klöster sind auf dem Bild zu sehen. Sie starb 720 und wird vor allem im Elsaß als Landespatronin hoch verehrt und gilt als Nothelferin bei Augenleiden.
Auf der linken Seite der Heilige Josef trägt das Jesuskind, das auf den Tabernakel schaut, der bleibenden Gegenwart Jesu bei uns. Ebenfalls links auf der Wand das Prozessionskreuz der Pfarrei, um 1750 von Michael Fischer. Rechts oben das Oratorium, auch aus der früheren Kirche 1713.
Gehen wir nun ins Kirchenschiff, das 1921 erweitert aber erst 1947 ausgemalt wurde. Das Deckenbild zeigt die Himmelfahrt Jesu, Petrus im Vordergrund. Im Glaubensbekenntnis bekennen wir aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, wird wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Die Worte und Taten des Weltenherrschers Jesus Christus haben die 4 Evangelisten aufgeschrieben. Sie umgeben das Deckengemälde. Vorne links: Mätthäus mit dem Attribut des Engels, weil er sein Evangelium mit dem Stammbaum Jesu beginnt, links hinten Markus mit dem Löwen, weil er sein Evangelium mit dem Rufenden in der Wüste (Johannes der Täufer) beginnt, hinten rechts Lukas, mit dem Stier, weil er sein Evangelium mit dem Opfer des Zacharias beginnt, und schließlich vorne rechts Johannes mit dem Adler, da er ein hochgeistiges Evangelium uns überliefert hat.
Wir sind durch den Tod Jesu am Kreuze erlöst worden. Daher zeigt die Kreuzigungsgruppe (um 1790) auf der linken Wandseite das zentrale Geheimnis göttlicher Liebe. Aus Liebe zu uns stirbt der Sohn am Kreuz. Die liebende Teilnahme an diesen unsäglichen Schmerzen zeigen die Mutter Maria und des Lieblingsjünger Johannes, die unter dem Kreuz ausharren. Auf der gleichen Seite trägt Maria im Vesperbild um (1730) ihren geliebten verstorbenen Sohn auf dem Schoß. Das spätgotische Bild unter der Empore (um 1580) zeigt die Grablege unseres Herrn. Der Heilige Johannes hält in tiefer Trauer die verblichene Hand des Erlösers.
Die beiden Seitenaltäre (um 1700) wurden 1947 von der Pfarrei Illereichen erworben. Der linke Seitenaltar zeigt den Heiligen Meinrad. Er war der Sohn des Grafen von Zollern. Der Junge besuchte die berühmte Klosterschule auf der Insel Mainau und trat dort als Benediktiner ein. Auf sein Bitten hin durfte er in die Einsamkeit ziehen. So baute er mitten im Finsteren Wald in der Nähe des Züricher Sees, in der heutigen Schweiz, eine Klause. Die Äbtissin vom Frauenmünster in Zürich hörte von diesem frommen Einsiedler und schenkte ihm ein Bildnis der Schwarzen Madonna. Zwei Raben rettete er vor dem Angriff eines Raubvogels, die dann treu bei ihm blieben. Doch nicht nur Hilfesuchende kamen zu ihm, sondern auch zwei Räuber, die er gastfreundlich aufnahm; aber sie raubten ihn aus und erschlugen ihn - im Jahre 861. Die beiden Raben verrieten die Mörder, so dass sie die gerechte Strafe erhielten. Das Bild zeigt den Heiligen mit den Raben und die Märtyrerkrone emporhaltend. Während oben im Auszug des Altares das Bildnis der Schwarzen Madonna von Einsiedeln ist, denn über seiner Klause erhob sich später das Kloster Maria Einsiedeln (Schweiz) mit der herrlichen Wallfahrtskirche. Der Heilige starb, indem er das Wort des Herrn in die Tat umsetzte: Keiner hat eine größere Liebe, als der sein Leben hingibt für seine Freunde (Johannes 15,13).
Der rechte Seitenaltar zeigt das Bild des Heiligen Antonius von Padua. Dieser berühmte Volksheilige wurde in Lissabon geboren. Er trat im Orden des Heiligen Franziskus ein. Franziskus entdeckte in ihm seine hohe Geistlichkeit und machte ihm zum Lehrer für seine Mönche. Darüber hinaus war Antonius ein berühmter Prediger und Wundertäter. Bekannt ist die wunderbare Vision des Heiligen, in der er das Jesuskind auf den Armen tragen durfte. Er starb 1231 erst 36 Jahre alt und ist in Padua, Italien, begraben. Er verwirklichte die Worte Jesu: Geht hinaus und verkündet das Evangelium: Wer glaubt wird gerettet werden (Matthäus 28). Das gläubige Volk verehrt ihn als Nothelfer vor allem, um Verlorenes wieder zu finden.
Der Auszug des Altars zeigt den ebenfalls im Volk beliebte Heiligen Sebastian, an einem Baum gebunden, von Pfeilen durchbohrt. Er war Befehlshaber der Prätorianischen Leibwache des Kaisers Diokletian. Als solcher hatte er Zugang zu den Christen in den Gefängnissen, die wegen ihres Glaubens eingekerkert waren. Das erfuhr der Kaiser. Weil Sebastian nicht den Göttern opferte, ließ der Kaiser ihn durch Erschießen im Jahre 303 hinrichten. Ihm gilt das Wort des Herrn: Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird das ewige Leben gewinnen, Matthäus 5,39. Sebastian gilt als der Schutzpatron der Soldaten, der Schützen und Helfer gegen Pestkrankheiten.
Auf dem Altar steht die Figur neueren Datums aus dem Grödner Tal des Heiligen Apostels Andreas. Er war zuerst Jünger des Täufers Johannes und wurde nach der Taufe Jesu, vom Herrn als erster der Apostel berufen. Er führte seinen Bruder Petrus zu Jesus. Nach Pfingsten soll er am Schwarzen Meer missioniert haben. Er wurde dort in Patras unter Kaiser Nero um 60 zum Tode am schrägen Kreuz um des Evangeliums willen hingerichtet. Auch an ihm erfüllten sich die Worte Jesu: Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat., Johannes 15,18. Die orthodoxen Christen verehren ihn als ihren großen Patron.
Auf der gleichen Seite die Kanzel, um 1720. Von der Kanzel herab verkündeten die Priester bis etwas 1970 das Wort Gottes. Die Ölbilder an der Kanzel, ebenfalls um 1720, zeigen allegorisch die drei göttlichen Tugenden: der Glaube, ein Engel trägt die eucharistischen Gestalten von Brot und Wein, den Leib und das Blut Christi, das zentrale Glaubensgeheimnis einer jeden Heiligen Messe; die Hoffnung, eine Frau trägt einen Anker, den Anker der Hoffnung, bedeutet Sicherheit auch in den Stürmen des Lebens; die Liebe, eine Frauengestalt trägt ein brennendes Herz, wir sagen im Leben auch: in Liebe entbrannt. Die Taube auf dem Schalldeckel symbolisiert den Heiligen Geist, der in der Gestalt der Taube bei der Taufe im Jordan auf Jesus herabkam. Der Prediger verkündet mit Hilfe des Heiligen Geistes die großen Geheimnisse unseres Glaubens. Denn nur der Heilige Geist vermag die Tiefen Gottes zu erkennen, wie Jesus sagt.
Der Kreuzweg mit seinen 14 Leidensstationen unseres Herrn dürfte jüngeren Datums sein. Vor allem in der Fastenzeit begleiten wir in Gedanken unseren Herrn auf seinem letzten Weg. Er wurde für uns gekreuzigt. Pilatus ließ auf seinem Kreuz anbringen. INRI, das heißt, JESUS VON NAZARET KOENIG DER JUDEN. Ohne zu wollen greift Pilatus die Worte Jesu auf: Ich bin das Alpha und Omega, wie das Deckenbild im Chorraum zeigt.
Die Kirchenfenster, 1948, zeigen Szenen aus dem Leben Jesu. Hinten rechts: die Verkündigung, der Engel Gabriel brachte Maria die Botschaft: sie soll die Mutter Gottes werden. Was die Propheten angekündet haben, geht nun in Maria in Erfüllung. Sie ist nun die aufgeschlagene Heilige Schrift, wie das Bild zeigt.
Vorne rechts: die Heilige Familie. Der Heilige Josef geht seiner Arbeit als Zimmermann nach, der kleine Jesus spielt schon mit dem Kreuz. Denn der Kreuzweg des Herrn begann mit der Menschwerdung, wie Paulus sagt: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich, Philipper 2,6f.
Auf der gegenüberliegenden Seite vorne: Die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes. Der himmlische Vater verkündet: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe, Matthäus 3,17.
Auf der gleichen Seite hinten: Der Auferstandene Heiland erscheint 8 Tage nach seiner Auferstehung dem Heiligen Thomas und lässt ihn seine Wunden berühren. Und Thomas legte das kürzeste christliche Glaubensbekenntnis ab: Mein Herr und mein Gott! Johannes 20,27. Doch der Herr sagt ihm und sagt uns: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! So ist auch unsere Kirche ein Zeugnis des Glaubens unserer Vorfahren, die sich hier angesiedelt haben, die die erste Kirche bauten, die diese Kirche erweiterten und mit großem Einsatz erhalten. Wir sind im Glauben nicht allein. Wir leben in der geistigen Wolke des Heiligen Dreifaltigen Gottes und der Engel und Heiligen, die in unserer Kirche angedeutet und verehrt sind. Daher trägt die rechte Kirchenwand die Figuren Herz Mariä, Herz Jesu und den Heiligen Klosterbruder von Altötting Konrad.
Aber dieser Glaube ist angefochten. Daher bedarf er von Zeit zu Zeit einer Glaubensfestigung. Die früheren Volksmissionen sollten dazu dienen, die Freude am Glauben wach zu halten. Beim seitlichen Ausgang an der Nordseite der Kirche gegenüber dem Beichtstuhl steht als Erinnerung das Missionskreuz der letzten Volksmission im Jahre 1952.
Aber auch die Liturgie wächst mit den Menschen. Seit der Reform der Liturgie im Jahre 1970, stehen im Chorraum der sogenannte Volksaltar, auf dem nun die Heilige Messe gefeiert wird und rechts daneben der Ambo. Er lässt noch an die Kanzel erinnern. Denn von diesem Ort aus wird das Wort Gottes verkündet und ins heutige Leben hereingedeutet. Beide sind dem Stilempfinden der Kirche gelungen angepasst.
Sie, liebe Besucherin, lieber Besucher, haben nun den ersten Eindruck von unserer Kirche. Sie kann nicht mit der Wieskirche konkurrieren, aber wir schätzen und lieben die Kirche. Fleißige Hände halten sie in Ordnung, wie es für die Wohnung Gottes unter uns ziemt. Denn wir glauben, nicht nur der Apostel Thomas durfte den Herrn berühren, wir dürfen ihn im Geiste schauen und in der Heiligen Kommunion in unser Leben aufnehmen. Doch im Tabernakel wartet er auf uns - auf Sie! Danke für Ihr Interesse und im Gebet verbunden.
Erstellt: Anton Wagner, Pfarrer i. R. in Modelshausen (+ 29.07.2020)
PS: Die Grabplatte des Erbauers der frühen Kirche finden Sie an der Südwand: Pfarrer Martin Forstner, gest. 1736. Ecclesiam erexit (er hat die Kirche gebaut). Das Pfarrhaus wurde um 1771 erbaut.