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Kirche "St. Leonhard" Bocksberg

Kirchenführer Kirche "St. Leonhard" Bocksberg

Die Kirche "St. Leonhard" Bocksberg

 

Geschichtliches

Seit dem 11. Jahrhundert siedelten sich in diesem Gebiet Menschen an. Zunächst entstand der Ort Laugna mit einem bescheidenen  Dorfadel. Um das Dorf besser schützen zu können, bauten sich diese Herren 2 Kilometer südlich eine Burg und übernahmen das Wappentier, einen Bock. So entstand die Burg Bocksberg mit den Rittern von Bocksberg, die 1190 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurden und deren Geschlecht 1332 ausstarb. Bis 1379 werden noch die Marsachalken von Bocksberg erwähnt. Es folgten nun mehrere Besitzer der Burg. Unter anderem 1524 die Augsburger von Stetten und schließlich ging 1613 der Besitz auf die Fugger über.

Den Angestellten der Burg erlaubten die Herren ihre Häuser burgabwärts zu bauen, die Giebel der Häuser zur Burg. So entstand die heutige Gemeinde Bocksberg, die zunächst auch pfarrlich nach Laugna gehörte, bis sie 1906 zu der Pfarrei Modelshausen kam.

Die Kirche wurde im Jahre 1748 im zeitgenössischen Stil des Barocks erbaut und ist der Allerheiligsten Dreifaltigkeit und dem Heiligen Leonhard geweiht. Sie wurde im Jahre 2003 mit großem Sachverstand und Einsatz der Bevölkerung renoviert. Die Künstler der Fresken und Bilder sind unbekannt. Infolge der unterschiedlichen Qualität der Malerei vermuten wir, dass hier ein Meister mit seinen Schüler am Werke war.

Kurze Beschreibung der Kirche

Durch den Eingang im Westen betreten wir die Kirche. Unter dem Empore empfängt uns das Bild des Guten Hirten. Jesus sagt von sich selbst: Ich bin der gute Hirte. Er geht dem verlorenen Schaf nach und trägt es auf seinen Schultern heim. Gott, der Dreifaltige, ist der unendlich gute Hirte. Doch die Heiligen sind gleichsam seine verlängerten Arme im Helfen und Gutes tun, wie wir erfahren werden.

Der Blick geht in den Chor der Kirche, mit dem schmucken barocken Altar, 1748, der nach Osten zeigt, Christus, der aufgehenden Sonne entgegen. Das Altarbild zeigt die Krönung Mariens durch Gott-Vater und ihrem Sohn Jesus Christus. Darüber im Auszug des Altars das Ölbild des Kirchenpatrons des heiligen Abtes Leonhard mit Stab und Mitra, den Zeichen seiner Würde. Auch der linke Puto trägt die Mitra, während der rechte den Stab trägt. Auf dem Tabernakel, dem Herz der Kirche, stehe die barocke Statue des Heiligen Leonhard. Er trägt eine zerbrochene Kette.

Der Heilige Leonhard lebte im 6. Jahrhundert und stammte aus einem edlen fränkischen Geschlecht. Er wurde Priester und Bischof. Zog sich jedoch in die Einsamkeit bei Limoges zurück. Aus seiner Einsiedelei entstand dieses berühmte Kloster, dem er als Abt vorstand. Den Bauern in seiner Umgebung half er bei den Viehkrankheiten. Daher wurde er der Patron der Tiere, besonders der Pferde. Ihm lagen auch die Gefangenen sehr am Herzen. Den Entlassenen gab er Land, so dass sie resozialisiert wurden. Die Kette, das Attribut des Heiligen, verweist darauf, wurde allerdings später als zerbrochene Tierkette missverstanden. Er starb im Jahre 559.

Auf dem Altartisch stehen rechts und links zwei kostbare Reliquiare aus der Zeit des Rokokos, etwa 1780. Das Deckenfresko zeigt die Allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater trägt das Zepter der Herrschaft und mit seiner Rechten segnet er die Schöpfung, Gott Sohn der auf die Erde weist, die er am Kreuz erlöst hat, das Kreuz hält ein Puto; Gott Heiliger Geist in Gestalt einer schwebenden Taube, wie er bei der Taufe Jesu auf den Herrn herabkam.

Umrahmt ist das Bild durch die Medaillons der 4 Evangelisten, die in Richtung des göttlichen Geheimnisses blicken.

Am Chorbogen links der Evangelist Matthäus mit dem Attribut eines Engels. Er beginnt sein Evangelium mit dem Stammbaum Jesu, in dem wiederholt Engel als Gottesboten erscheinen.

Dahinter der Evangelist Markus mit seinem Attribut dem Löwen. Denn er beginnt sein Evangelium mit dem Rufer in der Wüste, Johannes der Täufer, symbolisch Löwe, der in der Wüste brüllt.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Evangelist Lukas mit dem Attribut des Stieres. Denn er beginnt sein Evangelium mit dem Priester Zacharias, der gerade in Rauchopfer im Tempel darbrachte, und der der Vater des Täufers Johannes ist.

Am Chorbogen der Evangelist Johannes mit dem Adler. Denn in seinem überaus geistigen Evangelium schwebt er bereits in himmlischen Gefilden.

Alle vier Evangelisten verkünden die Worte und Taten des Herrn, der am Schluss de Matthäusevangeliums den Taufbefehl gab. Alle Menschen auf den Namen des Dreifaltigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen.

Rechts und links vom Altar sind freigelegten Fresken zu sehen: Rechts der Apostel Andreas, der am Kreuz mit schräg gestellten Balken sein Leben hingab als Zeuge der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, während auf der linken Seite der Apostel Petrus mit dem Schlüssel zu sehen ist. Jesus übertrug ihm den Dienst des Papstes, indem er sprach: Dir übergebe ich die Schlüssel des Himmels. Was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein......(Mt 16,19f).

Über dem Sakristeieingang das Gemälde "Maria vom Trost" nach italienischem Vorbild von A. Merkle 1876. Wie der Hl. Leonhard die Gefangenen getröstet hat, so tröstet Maria uns in unseren vielfältigen Nöten.

Gegenüber an der Wand ein Prozessionskreuz, wohl um 1780.

Im Kirchenschiff weitere heilige Nothelfer.

Das zentrale Deckengemälde. Der Hl. Leonhard verehrt die Muttergottes, ebenfalls 1748. Der Heilige schwebt auf einer Wolke Maria entgegen, trägt den Stab des Abtes, während Engel die Kette der Gefangenen, die er befreit hat, mittragen. Das leidende Volk zu seinen Füßen ruft Maria aber auch den Heiligen an: Ein Gelähmter mit seinen Krücken, eine Mutter weist auf ihr krankes Kind, ein aussätziger Bettler mit seiner Warnschelle, eine Besessene, aus der Dämonen ausfahren, ein befreiter Gefangener, der seine Kette zeigt.

Umgeben ist dieses Fresko mit den Bildern von 4 Helfern in täglichen Nöten, die das christliche Volk bei uns angerufen hat. Rechts beginnend vor der Empore: Der Heilige Antonius von Padua, der das Jesuskind trägt, das er in einer Vision schauen durfte. Er wurde in Lissabon geboren, wollte in Nordafrika bei den Muslims missionieren. Ein Seesturm verschlug sein Schiff an die Küste Italiens. Der Hl. Franziskus entdeckte seine großen geistlichen Fähigkeiten, und berief ihn zum Lehrer seiner Mönche. Zugleich war Antonius ein überaus berühmter Prediger. Seine Kräfte waren aber erschöpft, so dass er bereits im Alter von 36 Jahren im Jahre 1231 starb und in Padua bestattet wurde. Das Volk verehrt ihn vor allem als Helfer, Verlorenes wieder zu finden.

Das nächste Bild zeigt den Heiligen Wendelin. Er war irischer oder schottischer Königssohn. Doch er entsagte dem Luxusleben und ging in die Einsamkeit der Vogesen. Das Wort Gottes und Gebet waren seine geistliche Nahrung. Durch Viehhüten verdiente er seinen Lebensunterhalt und die Tiere blieben gesund und gediehen prächtig. Die Leute kamen zum Einsiedler, wenn ihr Vieh krank war oder Tierseuchen sich ausbreiteten. Er wurde Abt im Kloster Tholey, wo er 617 starb. Daraus entstand das heutige St. Wendel im Saarland. Er wurde bei uns als großer Nothelfer in Tiernöten angerufen.

Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir den Heiligen Spanier und Bauer Isidor, in der Rechten den Rosenkranz haltend, die Linke liebevoll auf einem Pferd ruhend. Er war Knecht im Dienste eines reichen Grundbesitzers, ein stiller Frommer, der stundenlang betete und den es täglich in die Kirche zog, während Engel seine Arbeit verrichteten. Über seine Arbeit lag aber großer Segen, auch über den Tieren, die er sehr pfleglich behandelte, sowie über den Armen, mit denen er sein kärgliches Brot teilte. Er starb 1170. Von den Bauern wurde er als großer Standesheiliger verehrt.

Gegen den Kircheneingang so sehen wir den Heiligen Johannes Nepomuk in der Kleidung eines Geistlichen, mit Birett, liebevoll ein Kreuz umfassend, das auf dem Zweig der Siegespalme ruht. Im Bildhintergrund die Königsstadt Prag mit der Brücke über die Moldau. Er war Generalvikar in Prag, ein hochgebildeter und berühmter Prediger, Beichtvater der Königin. Doch König Wenzel IV war nicht nur ein jähzorniger, grausamer, tyrannischer Herrscher, sondern auch überaus eifersüchtig. Er wollte von Johannes Nepomuk erfahren, was die Königin gebeichtet habe. Als der Priester, getreu dem Beichtgeheimnis, jede Aussage verweigerte, wurde er grausam gefoltert. Der König soll selbst mit brennenden Fackeln ihn gepeinigt haben. Schließlich ließ er ihn gefesselt von der Brücke in den Fluss Moldau werfen, wo er ertrank. Das war im Jahre 1393. Er gilt als der Patron der Schiffer, Müller und ist bei uns vor allem als Brückenheiliger bekannt.

Gleiche Seite über der Empore sehen wir den Heiligen Sebastian, an einem Baum gebunden, von Pfeilen durchbohrt. Er war Befehlshaber der Prätorianischen Leibwache des Kaisers Diokletian. Als solcher hatte er Zugang zu den Christen in den Gefängnissen, die wegen ihres Glaubens eingekerkert waren. Das erfuhr der Kaiser. Weil Sebastian nicht den Göttern opferte, ließ der Kaiser ihn durch Erschießen im Jahre 303 hinrichten. Sebastian gilt als der Schutzpatron der Soldaten, der Schützen und Helfer gegen Pestkrankheiten.

Ebenfalls über der Empore auf der gegenüberliegenden südlichen Seite ist das Bildnis des Heiligen Vitus. Der Legende nach war er noch ein Junge, als er unter Kaiser Diokletian um des christlichen Glaubens willen zum Tode verurteilt wurde. Man warf ihn in siedendes Öl, war ihn den Löwen vor und schließlich folterten sie ihn zu Tode. Das war im Jahre 284. Er wird in vielfältigen Nöten angerufen, unter anderem bei Unwetter, Feuersgefahr, Tollwut. Er ist auch der Schutzpatron der Haustiere. Daher der krähende Hahn!

Das mittlere Bild zeigt die Aufnahme des Hl. Leonhard in den Himmel. Auf einer Wolke schwebend, segnet er die Tierherde zu seinen Füßen und das Bocksberger Kirchlein mit ihren Bewohnern, wie ein guter Hirte für Mensch und Tier.

Die Brüstung der Empore trägt 4 Bilder über die Letzten Dinge unseres Lebens. Von links nach rechts: Der Tod des Heiligen Leonhard. Seine Mitbrüder und Hausfrau stehen betend um ihren Abt. Er empfängt die Letzte Ölung, das Sakrament der Seelenheilung, während der Teufel hilflos und erschrocken den Heimgang des Heiligen verfolgen.

Das zweite Bild zeigt den Auferstandenen Herrn, verehrt von seiner Mutter Maria, und von seinem Ankündiger Johannes der Täufer. Das Kreuz weist auf unsere Erlösung hin. Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Beginn des ewigen Lebens.

Das dritte Bild zeigt die furchtbare Alternative: Die Hölle. Die Verdammten sind vom Teufel bewacht, von der höllischen Schlange umwunden. Ihre Schmerzensschreie verhallen im Hass der Hölle.

Doch ich vermute, dass es auch das Fegefeuer sein könnte. Denn die Augen suchen den Erlöser, und einer scheint schon den Seelenfrieden gefunden zu haben. Vielleicht betet und opfert ein Mensch für ihn, so dass er bald der Anschauung Gottes gewürdigt wird.

Das letzte Bild zeigt nun unsere Vollendung. Maria in Begleitung von Heiligen und Märtyrern, die Siegespalmen in ihren Händen tragen, dürfen den unendlich großen und erhabenen Dreifaltigen Gott schauen, der im Symbol des Dreiecks über ihnen ruht.

Werfen wir noch unseren Blick auf die beiden Seitenaltäre. Sie sind in Holz gefasst, ungefähr 1720 und wohl von anderswoher übernommen. Der rechte Seitenaltar trägt das Bild des Hl. Josef als Zimmermann mit dem Jesuskind, gemalt von Oswald Völkel, 1924. Im Auszug oben die Hl. Elisabeth von Thüringen, mit dem Rosenwunder.

Der linke Seitenaltar: Mutter Anna lehrt ihre Tochter Maria, ebenfalls von Völkel gemalt. Im Auszug sehen wir den Hl. Nikolaus, Bischof von Myra, der beliebte Helfer in Hungersnöten und Finanznöten.

Der sehr schöne Kreuzweg ist jüngeren Datums, vermutlich um 1810 von unbekannten Künstlern. Er zeigt den Leidensweg unseres Herrn Jesus Christus am Karfreitag.

Nach der Liturgiereform des Vaticanum II wurden der Volksaltar als Ort der Opferfeier und der Ambo als Ort des Wortes Gottes harmonisch eingefügt. Daher trägt er die Namenszüge der 4 Evangelisten.

 

Danke für Ihr Interesse. Im Gebet sind wir verbunden.

 

Erstellt: Anton Wagner, Pfarrer i. R. in Modelshausen (+ 29.07.2020)