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Ehe- das Sakrament des Vertrauens

Es ist ein schöner und guter Brauch, wenn die Ehejubilare zu einem besonderen Gottesdienst eingeladen werden. Auch in unserer Pfarrei wird dies gepflegt und es ist erfreulich, dass dieses Angebot gerne wahrgenommen wird. So konnten auch dieses Jahr mehrere Paare begrüßt werden, die ihr 10, 20, 25, 30 oder mehrjähriges Ehejubiläum feierten. Hin und wieder erleben wir auch eine goldene oder diamantene Hochzeit. Das zeigt, dass Treue und Zueinanderstehen auch heute noch Werte sind, die Bestand haben.

Ja zueinander sagen, ein Ja zu einem gemeinsamen Leben, ein Ja zu der gegenseitigen Liebe, ein Ja vor Gottes Angesicht; das wollen zwei Menschen, Mann und Frau, wenn sie die Ehe auch in der Kirche schließen. Wir Priester bringen es in der kirchlichen Feier auf den Punkt: "So schließen Sie jetzt vor Gott und der Kirche den Bund der Ehe!"

Die Bibel bezeugt das, was hier im Sakrament deutlich wird. Gott will ein Miteinander von Mann und Frau. Gott will, dass der Mensch ein Gegenüber hat, mit dem er reden kann, bei dem er Gehör findet. Dieses menschliche Gegenüber macht klar, dass wir auch auf Gott als Gegenüber angwiesen sind. Wer den Ehebund eingeht, bestätigt den Bund Gottes mit den Menschen.

Eine Besonderheit des Ehesakraments liegt darin, dass es die Brautleute einander spenden. Sie sind Empfänger und Spender zugleich. Die Ehepartner setzen ein Zeichen ihrer Gemeinschaft nicht nur am Anfang mit dem Jawort bei der Eheschließung, gemeinsam realisieren sie das sakramentale Zeichen, ihre Lebensgemeinschaft, jeden Tag neu.

Im kirchlichen Ritus gibt es unverkennbare Zeichen für die Bedeutung des Ehesakramentes. Die Brautleute bekennen voreinander, vor Gott und den Mitfeiernden: "Ich verspreche dir die Treue... Ich will dich lieben, achten und ehren, solange ich lebe... Trage diesen Ring als Zeichen der Liebe und Treue! Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes." Zum Schluss geben die beiden einander die rechte Hand, die der Priester mit der Stola umwickelt. Ein altes Zeichen des Vertragsabschlusses! Die rechte Hand des Priesters über den beiden Händen ist dann die Bestätigung des Ehebundes.

Die äußeren Zeichen des Sakramentes sind das hörbare Ja, das Versprechen, das Anstecken der Ringe, die priesterliche Stola als Bestätigung. Wie die Paare das Eheversprechen nachher leben, ist das Entscheidende. Hier muss sich bewähren, was im Hochgefühl der frischen Liebe versprochen worden ist. Nicht wie festlich und pompös die Hochzeit gefeiert worden war, ist das Wichtigste!

Nicht immer wird das einfach sein. Es gibt Höhen und Tiefen, die bewältigt werden müssen. Ich erinnere mich an eines der letzten Gespräche, die ich mit meinem Vater führte. Damals waren meine Eltern schon fast 50 Jahre verheiratet. Mein Vater sprach mit mir über seine Ehe: "Weißt du, meine Frau ist ein Teil von mir: Wenn sie leidet, leide ich; wenn sie sich freut, freue ich mich. Wir sind eins!" Damals habe ich das Bibelwort erstmals richtig verstanden: "Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch!" (Gen.2,24). Leider sind meine Eltern kurz nach der goldenen Hochzeit gestorben.