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Das Sakrament der Weihe

Wenn heute von einer "Weihe" gesprochen wird, dann verbinden wir damit ganz unterschiedliche Ereignisse. Man kennt die "Einweihung" eines Gebäudes, die "Jugendweihe" aus der Zeit der ehemaligen DDR oder im kirchlichen Bereich die "Altarweihe", die "Kirchweihe" und die "Jungfrauenweihe".

Oft werden auch kirchliche Segnungen missverständlich als Weihe bezeichnet, so z.B., wenn wir von der "Palmweihe" am Palmsonntag oder von der "Speisenweihe" an Ostern sprechen.

Die "Weihe" im eigentlichen Sinn ist jedoch eines der sieben Sakramente der Kirche, d.h. ein sichtbares Zeichen, durch das Amtsträger der Kirche zu ihrem Dienst bestellt werden. In ihr wirkt Christus selbst an einem Menschen. Er ruft Menschen in seine besondere Nachfolge und sendet sie aus, das Wort Gottes zu verkünden und zu lehren, die Sakramente zu spenden und das Volk Gottes zu leiten. "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt." (Joh. 15,16)

Wer die Weihe empfängt, stellt sich auf diese Weise für immer Gott zur Verfügung für den Dienst an den Menschen. Der Geweihte soll in seinem Dienst die Anwesenheit Jesu auch in unserer Zeit durch sein Leben, Handeln und Reden erfahrbar machen.

Das Weihe-Sakrament wird oft als "Priesterweihe" bezeichnet. Das Sakrament der Weihe hat jedoch drei Stufen: Diakonenweihe, Priesterweihe und Bischofsweihe -entsprechend den drei Stufen des kirchlichen Amtes. Diakone und Priester üben ihren Dienst als Mitarbeiter des Bischofs aus, der als Nachfolger der Apostel eine Ortskirche (ein Bistum bzw. Diözese) leitet. Deshalb kann das Weihe-Sakrament auch nur durch den Bischof gespendet werden, indem er den Weihekandidaten einzeln die Hände auf den Kopf legt und anschließend ein feierliches Weihegebet spricht. Diese zentralen Gesten der Weihe werden ergänzt durch eine Fülle weitere Riten: das Anlegen der entsprechenden liturgischen Gewänder, die Übergabe des Evangelienbuches (bei der Diakonenweihe); die Salbung der Hände mit Chrisam und die Übergabe von Kelch und Hostienschale (bei der Priesterweihe); das Auflegen des Evangelienbuches auf das Haupt, die Salbung des Hauptes mit Chrisam und das Überreichen von Ring, Mitra und Hirtenstab (bei der Bischofsweihe).

Wie bereits in der Anfangszeit der Kirche, ist das Diakonat seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) wieder ein eigenständiges Weiheamt. Dazwischen konnten jahrhundertelang nur angehende Priester zum Diakon geweiht werden.
Heute gibt es sowohl die "Ständigen Diakone" - oft verheiratete Männer und Familienväter - als auch Diakone, die sich auf die Priesterweihe vorbereiten.

Das Sakrament der Weihe schenkt eine besondere Teilhabe am Amt Jesu Christi, des einen und einzigen Hohenpriesters und des einen Mittlers zwischen Gott und den Menschen (vgl. 1 Tim 2,5).
Ähnlich wie bei der Taufe und Firmung wird diese Teilhabe am Amt Jesu Christi ein für allemal verliehen. Es verleiht ein unauslöschliches geistiges "Prägemal" und kann deshalb nicht wiederholt werden.

Zur Ausübung der Sendung schenkt das Sakrament der Weihe die Gnade des Heiligen Geistes. Denn nur aus der besonderen Gemeinschaft und Freundschaft mit Jesus Christus heraus können die Amtsträger in der Kirche ihren Dienst in rechter und fruchtbarer Weise erfüllen und aus innerer Überzeugung Vorbilder ihrer Gemeinde sein (vgl. 1 Petr 5,3)

Geweihte und Amtsträger in der Kirche sind deshalb auch keine Funktionäre, sondern Menschen,die Zeugnis geben sollen von der Liebe Jesu Christi, die allen Menschen verheißen ist.

Pfarrer Gerhard Krammer