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Krankensalbung

Vorletztes Jahr habe ich einen Gottesdienst mit Krankensalbung in Lourdes erlebt. Die Predigt des Bischofs ermutigte mich, mir auch die Krankensalbung spenden zu lassen, obwohl ich mich nicht schwer krank fühle. Er sprach vom Sakrament der Heilung und wer bedarf nicht der Heilung, sowohl an Seele als auch an Leib? Mich hat es tief berührt, als der Bischof mir Stirn und Hände salbte und die Worte sprach: "Durch dieses heilige Sakrament helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes. Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf." Für mich war es, als würde ich die Zuwendung Gottes leibhaftig spüren und es war in meinem Innern eine Zwiesprache mit Gott, so intensiv, wie schon lange nicht mehr.

Lange Zeit ging die Meinung um, die Krankensalbung sei nur ein Sakrament für Sterbende und alte Menschen. So wurde aus dem "Sakrament des Lebens" ein "Sakrament des Todes", das mit Angst besetzt war. Wenn es mit einem Menschen zu Ende ging, holte man schnell noch den Pfarrer für die "letzte Ölung". Sie war wie eine "Eintrittskarte in den Himmel". In meiner Kindheit erlebte ich, wie der Pfarrer mit der "letzten Ölung" durch das Dorf ging, begleitet von einem Ministranten mit Glöckchen. Wir Kinder knieten andächtig nieder, bis er an uns vorbeigegangen war und wir wussten, jetzt wurde er zu einem Sterbesakrament gerufen.

Heute entdeckt die Kirche wieder den ursprünglichen Sinn. Sie nimmt den Auftrag Jesu ernst und macht so die heilende und heilsame Liebe Jesu zu den körperlich oder seelisch Kranken erfahrbar. Die Zuwendung ist an kein Alter gebunden. Der Verfasser des Jakobusbriefes ermuntert die Christen: "Ist einer von euch bedrückt? Dann soll er beten. Ist einer fröhlich? Dann soll er ein Loblied singen. Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich, sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihm im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten." (Jak. 5,13-16)

Das gläubige Gebet mitsorgender Gemeindemitglieder vermag also zu retten und aufzurichten. Ein Kranker erfährt wieder Hoffnung, neues Leben. Bei der Feier der Krankensalbung (am Krankenbett oder in der Gemeinde) beten alle Anwesenden für den Kranken. Der Priester legt dem Kranken die Hände auf und salbt ihm die Stirn und Handfläche.

Der leidende Mensch soll bei Bewusstsein sein. Deshalb sollte man den Priester nicht erst dann rufen, wenn der Kranke nicht mehr voll ansprechbar und aufnahmefähig ist. Im Notfall kann die Krankensalbung auch bewusstlosen Menschen gespendet werden, denn Gott handelt an uns, auch wenn wir nicht voll bewusst dabei sind.

Jesus Christus, den wir auch unseren "Heiland" nennen, will sich in der Krankensalbung schenken in seinen tröstenden und befreienden Worten und in seiner zärtlichen Berührung. Darum ist dieses Sakrament für mich zum "Trostsakrament" bzw. "Heilungssakrament" geworden.