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Das Sakrament der Taufe

Sommer 1942 - mitten in den Wirrnissen des Krieges: Fernab der Heimat wird der Familie NN ein Kind geboren. Gerade 2000g schwer, nach ein paar Tagen hatte es nur noch 1500g. "Dieses Kind ist nicht lebensfähig, es wird sterben", so die Prognose des Arztes. "Unser Kind muss sofort getauft werden", beschließen die Eltern. Doch weit und breit gibt es keinen Priester. "Ich werde es taufen, Frau, hol Wasser!" So nimmt der Vater ein wenig Wasser, macht damit ein Kreuzzeichen über das Kind und spricht: "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen."

Der eigene Vater spendete die Nottaufe. Etwa ein Jahr später wurden die anderen Tauf-Zeremonien bei einem Heimaturlaub der Eltern nachgeholt.

Sie ahnen es sicher: Das Kind hatte die Krise damals überlebt. Bei ihrem 70.Geburtstag vergangenen Jahres berichtete diese Frau davon.

Übrigens: Jeder, der getauft und gefirmt ist, darf im Notfall gültig die Taufe spenden.

Viele Zeichen der Taufe weisen auf die Bedeutung dieses Grundsakramentes hin:

Das Kind wird an der Tür abgeholt:
Die Taufe ist das "Eingangstor" zur Kirche. Ohne sie können keine weiteren Sakramente empfangen werden. Die Tür steht offen. Es braucht nur einen kleinen Schritt, um einzutreten. Die Taufe verlangt keine besonderen Zulassungsvoraussetzungen. Was hätte ein Baby auch schon vorzuweisen? Alles, was es braucht, ist Vertrauen, die Fähigkeit, sich von Gott beschenken zu lassen. Dann kann mit der Taufe ein Lebensweg beginnen, der in jedem Abschnitt anders aussieht. Aber überall lautet die Überschrift: "Du bist Gottes Kind."

Das wichtigste Zeichen der Taufe ist das Wasser: Das Übergießen mit Wasser symbolisiert die Reinwaschung von der Sünde. Deshalb bekommt das Kind danach auch das weiße Kleid angelegt als Zeichen der neuen Schöpfung.
Wasser ist Leben. Wasser erfrischt. Wasser erneuert. Wasser reinigt. Wasser macht lebendig. Das äußere Zeichen des Wassers deutet die innere Wirkung der Liebe Gottes an: Der Mensch braucht Gottes Liebe, sein Ansehen, genauso notwendig wie Wasser. Wer sich dem öffnet, erfährt, dass Gott in seinem Leben wirken kann.

Ein anderes Symbol für die Taufe ist die Taufkerze:
Sie wird am Licht der Osterkerze angezündet. Diese hat zum ersten Mal in der Osternacht gebrannt, jener Nacht, in der die ganze Christenheit den Sieg des Lebens über den Tod feiert. Die lebensverneinenden Kräfte behalten nicht die Oberhand. Gottes Liebe ist stärker, sie schenkt das Leben neu, immer wieder. Das Licht einer einzigen Kerze genügt, um einen ganzen Raum hell zu machen. Das Licht eines einzigen Lebens genügt, um vielen Menschen Mut und Hoffnung zu schenken.

"Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber." (Röm.14,7) Darum hat Christus die Kirche gewollt. Auf seinen Namen getauft sein, bedeutet, in diese Gemeinschaft einzutauchen. "Ein Christ ist kein Christ", hat Karl Rahner gesagt. Christsein lässt sich nur in Gemeinschaft leben. Die Gemeinschaft der Kirche wird dadurch begründet, dass alle dieselbe Taufe empfangen, dass alle sich auf die Nachfolge Jesu verpflichten.

Mit der Taufe beginnt sozusagen "offiziell" der Weg mit Gott. Das ganze Leben ist ein Versuch, den Weg zur Mitte zu finden. Jeder Mensch braucht Begleiter auf diesem Weg. Darum ist die Taufe auch Verpflichtung der Eltern und Paten, für die religiöse Erziehung  des Kindes Sorge zu tragen. Sie sollen dem Kind bezeugen, was sie selber von Gott erfahren haben. Und vielleicht ist das eine gute Gelegenheit, selber wieder einige Fortschritte im Glauben zu machen.

"Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich auf diesen Weg des Christseins geführt haben. Der Glaube an Jesus Christus hat mich in allen Höhen und Tiefen meines Lebens getragen. Und ich vertraue darauf, dass unser Gott mich weiterhin begleiten wird." Mit diesen Worten beendete die oben zitierte Frau ihren Rückblick auf 70 Lebensjahre.