Ursprung der Marien-Wallfahrt mit der Augenwende an der Marien-Statue in der Feldkapelle
Im 17. oder 18. Jahrhundert wurde die Kapelle als quadratischer Bau errichtet. Die Kapelle trägt ein Zeltdach und ist nach Osten mit einer korbbogigen Öffnung versehen. Rechts und links der Öffnung befinden sich Pilaster. Auf ausgesägten Holztafeln sind ein Kruzifix, sowie Maria und Johannes gemalt. Ursprünglich befand sich in dieser Kapelle die Figur der Schmerzhaften Muttergottes. Diese befindet sich seit 1728/1729 in der Wallfahrtskirche Maria Steinbach. Über der Kapelle erinnert eine Inschrift daran: „In dieser Kapelle stand zuerst das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter Maria und wurde im Jahre 1729 in die Pfarrkirche Steinbach übersetzt.“ In den 1720er-Jahren war die heutige Feldkapelle nur eine kleine Überdachung für ein Feldkreuz. Später wurde die Kapelle erbaut und drei farbig gefasste Holzfiguren aus dem Bestand des Klosters Rot a. d. Rot, zu dem Maria Steinbach gehörte, dort aufgestellt. Hier wurden die ersten merkwürdigen Veränderungen an der Mutter-Gottes-Statue wahrgenommen. Maria verfärbe ihr Gesicht, sie weine Tränen und bewege Augen und Augenlider. 1728 wurden die Figuren aus der Feldkapelle in die Steinbacher Kirche gebracht: ein Kruzifix, eine Johannes- und eine Madonnenfigur, eine sogenannte "Schmerzensmutter", deren Brust von einem Schwert durchbohrt ist. Seit Juni 1730 häuften sich die Aussagen von Kirchgängern, die merkwürdige Dinge an der Muttergottesstatue wahrgenommen haben wollten: Augenwende etc. Die Erscheinungen sprachen sich herum. Bald machten Berichte von Gebetserhörungen - Krankenheilung, Hilfe in Gefahr - die Runde. Der anschwellende Pilgerstrom stieß allerdings nicht nur auf Beifall: Die Verehrung, war zu hören, "streife an Götzendienst und errege Anstoß bei Außerkirchlichen und Katholiken". Die Geistlichkeit der umliegenden Pfarreien klagte, dass alles nach Steinbach ziehe, während sie selber vor halbleeren Kirchen predigen müsse. Die Kritik war so vehement, dass sich der Konstanzer Bischof zur Anweisung veranlasst sah, man solle die Statue aus der Kirche entfernen, woraufhin der Roter Abt den Päpstlichen Nuntius in Luzern um Unterstützung anging. Im Herbst 1733 trat eine Theologen-Kommission zusammen, um die Vorgänge an Ort und Stelle zu prüfen. Die Aussagen der mehr als 200 von der Kommission vernommenen Zeugen sind überliefert. Catharina Eggensbergerin beispielsweise, "Wittib aus Altusried", gab zu Protokoll, sie habe an dem Muttergottesbild beobachtet, wie "dises die Augen zu, vnd widerum langsam aufgethan, vnd wan iemandt aus dem Beichtstuhl herausgegangen, so sey es nit anders gewest, als wan sie denen Leithen nachschawe". Sie habe sich erst keinen Reim darauf machen können, habe gemeint, "man ziehe etwan durch Schnierlein die Augen dieses Bildnus", wie dergleichen Tricks ja auch auf Jahrmärkten gezeigt werden. Mechanische Effekte an der Statue konnten jedoch ausgeschlossen werden: Hinzugezogene Schreiner versicherten, es sei an ihr "kein einziges Kunstgrifflein" zu entdecken. - Die Schilderungen der Augenzeugen insgesamt ließen nach Auffassung der Kommission keine andere Deutung zu, als dass es mit den berichteten Erscheinungen seine Richtigkeit habe. Der Bischof verfügte, das Madonnenbild "solle genennt werden ein wahrhaft Miraculoses und Wunder-thätiges". Zu Pfingsten 1734 wurde die Anerkennung der Wallfahrt mit einem prächtigen Dankfest gefeiert, zu dem sich zwischen 20- und 30 000 Besucher einfanden. Fortan häuften sich die Nachrichten über Hilfe durch das Gnadenbild. Allein zwischen 1730 und 1738 sind in sogenannten Mirakelbüchern 88 Berichte verzeichnet, wonach unter anderem geheilt wurden: "Blinde und an den Augen Leydende sibene, in heimlichen Leibs-Schäden sechs, in Todtsgefährlichen Kindsnöthen zwey, in fast unsinnig machenden Kopff-Schmertzen drey, Lahme an Händ und Füssen zwaintzig, Sprachlose vier, in augenscheinlicher Todtsgefahr Schwebende acht". Maria Steinbach entwickelte sich - neben Altötting, Ettal, Maria Einsiedeln und der Wieskirche - zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte im deutschsprachigen Süden. Die Pilger kamen aus einem Gebiet zwischen Rhein und Lech, Schwäbischer Alb und Bodensee; selbst aus Tirol und Graubünden sind Wallfahrer genannt. Zwischen 1737 und 1740 wurden 7050 Messen gelesen, 125 835 mal wurde die Kommunion ausgeteilt. Bald war die Kirche zu klein. Der Wallfahrtspfarrer und spätere Roter Abt Benedikt Stadelhofer betrieb den Bau eines größeren Gotteshauses, das unter mehreren (namentlich unbekannt gebliebenen) Baumeistern entstand und 1755 geweiht wurde. An der Innenausstattung mit ihren aufwendigen Stuckaturen wurde bis 1768 gearbeitet. Die Fresken stammen vom Kemptener Hofmaler Franz Georg Hermann, als Stuckatoren standen die Wessobrunner Johann Georg Übelher und Franz Xaver Schmuzer im Brot, Josef Gabler aus Ochsenhausen baute die Orgel. 20 Jahre nach der Fertigstellung der neuen Kirche ging die Blütezeit zu Ende. Die Eintragungen in den Mirakelbüchern wurden spärlicher, "Augenwende" und andere Erscheinungen blieben aus. Hauptwallfahrtstermine waren und sind Pfingstmontag, außerdem die Kreuzfeste am 3. Mai und 14. September. Im Jahr 1849 kamen zum Michaelsfest erstmals Veteranen aus den Befreiungskriegen zusammen und begründeten die Tradition einer Soldaten- und Veteranenwallfahrt, die bis heute an dem Samstag gefeiert wird, der dem Fest des Hl. Erzengels am nächsten liegt, also meist am letzten Samstag im September, und vor allem die Mitglieder der Bayrisch-Württembergischen Krieger- und Soldatenvereins anspricht.