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Pfarreiengemeinschaft Kühbach
Bistum Augsburg
Pfarreien, Gottesdienste, Veranstaltungen

Brauchtum

An dieser Stelle finden Sie einige besonderen Bräuche in unseren Pfarreien, die meist schon seit sehr langer Zeit bestehen und auch noch heute gepflegt werden.

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Franz-Xaver-Bruderschaft

Im Jahre 1730 bat der damalige Pfarrer Triebenbacher seinen Bischof in Augsburg, eine Bruderschaft zu Ehren des Hl. Franz Xaver in Großhausen errichten zu dürfen. Er sammelte in der Zeit von 1734 bis 1740 etwa 4700 Mitglieder um sich. Großhausen wurde eine große Wallfahrtsstätte für Pilger aus nah und fern. Der Xaverius-Tag wurde am 3. Dezember zum Feiertag in Großhausen ausgerufen. Damals ruhte an diesem Tag die Arbeit. Monstranz mit Reliquie und einen von 1715 gestifteten prunkvollen Kelch mit einem Emaille-Medaillon mit dem Bild des Hl. Franz Xaver wird noch heute am Xaveri-Tag in der Messe verwendet. Die alte Xaveri-Fahne wurde im September 1994 durch eine neue ersetzt und feierlich geweiht. Eine Figur des Hl. Franz Xaver wurde im Juni 2002 angeschafft und in der neugestalteten Mauernische aufgestellt und eingeweiht. Die Bruderschaft gibt es nicht mehr, aber der Xaveri-Tag wird nach wie vor jedes Jahr feierlich begangen. Foto und Text: Werner Maier

Heiliges Grab

In der Pfarrkirche St. Johannes Baptist der Täufer in Großhausen wird jedes Jahr von Gründonnerstag bis Karfreitag ein bühnenartiges, bemaltes, etwa 200 Jahre altes barockes HL. Grab zur Anbetung durch die Gläubigen aufgebaut. Aus der Barockzeit stammt das über 200 Jahre alte Heilige Grab in Großhausen. Zu den Kartagen im Jahre 1996 wurde der alte Brauch nach langer Unterbrechung wiederbelebt und das bühnenartige, reich bemalte Gehäuse in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist aufgebaut. Seither ist es wieder von Gründonnerstag bis Karfreitag zu bewundern.

Kreuzpartikel

Im Jahr 1002 schenkte König Heinrich II. dem Kloster Kühbach einen Splitter vom Holz des Kreuzes Christi. Dieser befindet sich heute im „Wetterkreuz“ der Pfarrkirche. Der Überlieferung nach handelt es sich bei sogenannten Kreuzpartikeln um Holzsplitter von jenem Kreuz, an das der Gottessohn Jesus Christus angenagelt wurde. Teile davon wurden später vom Jerusalemer Patriarchen an prominente Pilger verschenkt. Kaiser Heinrich II. schließlich brachte um das Jahr 1002 einen solchen ansehnlichen Kreuzpartikel ins neugegründete Kloster Kühbach. Dieses wurde zwar erst im Jahr 1011 von König Heinrich in einer Urkunde als Benediktinerinnenkloster bestätigt, war aber wohl bereits um das Jahr 1000 von Graf Adalbero aus seinen um Kühbach gelegenen Gütern gegründet worden.
Der Kühbacher Kreuzessplitter befindet sich in einem Kreuz von vergoldetem Silber. Auf der Rückseite erzählt eine Inschrift aus dem 15. Jahrhundert in lateinischer Sprache: „Dies ist der Span von dem heiligen Creiz, welliches der heiling Sant kaiser Heinrich zu diesem St. Benedictikloster verehrt und selbst bracht hat, als man zählt nach Christi gepurt tausend und im andern Jahr.“ Mit diesem Kreuz wird in der Pfarrkirche schon seit Jahrhunderten und auch heute noch der Wetter-Segen erteilt.

Palmesel - Palmprozession

Kühbach gehört zu den wenigen Orten in Bayern, in denen heute noch am Palmsonntag der Umzug mit dem "Palmheiland" lebendig ist. Die farbenprächtige Holzstatue, entstanden um das Jahr 1690, wurde bis etwa 1850 regelmäßig bei einer Palmprozession mitgeführt. Dann geriet dieser Brauch in Vergessenheit.
1930 entdeckte der damalige Oberlehrer Willi den verstaubten Palmesel. Der versierte Heimatkünstler restaurierte den Esel samt Christusfigur und belebte zusammen mit Pfarrer Knaus im Jahr 1932 den alten Brauch.
Heute erwarten die Gläubigen den Pfarrer mit den Ministranten und dem hölzernen Palmesel auf dem Marktplatz. Dort werden erst die Palmzweige gesegnet, die nachmittags von den Ministranten von Haus zu Haus getragen werden. Dann bewegt sich die Prozession mit den Kommunionkindern, der Bläsergruppe, dem Pfarrer, dem liturgischen Dienst und dem Palmesel sowie dem ganzen Volk hinüber zur Pfarrkirche, wo ein großer Festgottesdienst stattfindet.

Sagen und Legenden

Verschiedenen Quellen sind auch einige Sagen und Legenden zur heutigen Pfarreiengemeinschaft Kühbach zu entnehmen. Folgende Texte haben wir zusammengestellt: Die Entstehung des Klosters Kühbach Eine Geistergeschichte im Kloster Kühbach Das Ende des Klosters Die Entstehung des Klosters Kühbach (aus "500 Jahre Marktrecht Kühbach", Max Anneser, 1981") Dekan und Pfarrer Georg Haller von Kühbach gibt in einem Schreiben um 1515 folgende sagenhafte Nachricht über die Entstehung des Klosters Kühbach: „Unter den vielen Tausenden, welche, nachdem Gottfried von Bouillon die Heilige Stadt Jerusalem erobert hatte, zum Grabe des Herrn wallten, befand sich auch Adalbero, ein Graf von Wittelsbach. Alberade, seine Gemahlin, war gesegneten Leibes, als er von der Heimat schied. Glücklich kam er an den Heiligen Städten an. Bald jedoch drängt ihn die Sehnsucht nach der Gattin und nach dem Kinde, das sie gebären sollte, zur Rückkehr. Unterwegs aber, bevor er seine Heimat wieder sah, erkrankte und starb Adalbero. Bei der Schreckensnachricht hievon starb Alberade samt ihrem Kinde. Da verlobte, gebeugt vom Schmerze ihrer Eltern, Willibirgis, die einzige Tochter, all ihr Gut dem Herrn zu opfern, und stiftete das Kloster Kühbach, dessen erste Äbtissin sie wurde. Eine Geistergeschichte im Kloster Kühbach (aus "500 Jahre Marktrecht Kühbach", Max Anneser, 1981") Im Pfarrarchiv zu Kühbach befindet sich eine geschriebene Notiz über eine merkwürdige Erzählung von wundersamen Erscheinungen, die dazu führten, dass die sterblichen Überreste der Kühbacher Klosterstifter wieder aufgefunden und geborgen werden konnten. Zugetragen hat sich dieses Ereignis im Jahre 1770 von Juli bis September. Damals regierte als Äbtissin Barbara von Kreitmayr. Die Klosterfrau, die diese Erscheinungen hatte, hieß Rosa Maria Probst. Es kam nicht selten vor, dass an Sonn- und Feiertagen schreckbare Unruhen unter den Schlafzellen der Klosterfrauen vernommen wurden, so dass alle, welche dies hörten, von Bangen ergriffen wurden. Frau Maria Rosa wurde öfters durch nächtliche Erscheinungen erschreckt, so dass sie in ihrer Angst Hilfe und Rat bei der Äbtissin, dem Herrn Beichtvater Hochsteiner und dem außerordentlichen Beichtvater H.H. Prälaten Joachim vom Kloster Scheyern suchte. Von diesen wurde Maria Rosa beauftragt, sich mit der heiligen Kommunion zu stärken und bei Wiedererscheinen der nächtlichen, rätselhaften Gäste sie um ihr Begehr zu fragen. Die Geister erschienen, es waren ein Mann und eine Frau in schönen Gewändern und einer goldenen Kette. Sie sprachen: „Wir sind Udalschalk und Gemahlin Willibirgis, des Klosters zweite Stifter. Unsere Gräber sind bei dem neuen Kirchenbau außerhalb der Kirche zu liegen gekommen und wir finden nun keine Ruhe, bis wir auf die geweihte Stelle zurückkommen.“ Auf weiteres Befragen, wo ihre Gebeine zu finden wären, führten dieselben Frau Maria Rosa in ein entferntes Gewölbe und zeigten ihren Begräbnisplatz an. In ihre Zelle zurückgekommen, fiel Maria Rosa in einen erquickenden Schlaf. Des anderen Tages wurden Nachgrabungen vorgenommen und mit leichter Mühe, bei einem sich weit verbreitenden Wohlgeruch wurden die Überreste der Ruhenden gefunden und erhoben. Die Gebeine waren von einer stattlichen Größe, welche bis zum weiteren Begräbnis in der Kirche beigesetzt wurden. Mit großer Feierlichkeit wurden die Überreste zu ihrer letzten Ruhestätte getragen. Ein schwarzer Stein im Schwesternchor bezeichnet die Stelle, wo sie jetzt ruhen. Ein nochmaliges Erscheinen in weißen Kleidern gab kund, dass ihr Wunsch erfüllt worden war. Sie sprachen: „Sage deinen Vorgesetzten, die deinen Worten Glauben schenkten, unseren Dank!“ So schließt dieses Vorkommnis. Das Ende des Klosters (nach "300 Jahre Barocke Pfarrkirche St. Magnus Kühbach", Karl Christl) Unter der 53. und letzten Äbtissin Anna Bennonia Josefa von Kreitmair aus München, die 1799 die Regierung antrat, wurde im Jahre 1803 das Kloster aufgehoben. Den Grundbesitz zog der Staat ein und die Kirche war von nun an ausschließlich Pfarrkirche. Den Nonnen räumten die Käufer des Klosters einen Teil der Klostergebäude zur Wohnung ein. Das Kloster mit seinem Grundbesitz ging durch viele Hände, bis es 1839 an Herzog Max in Bayern kam. Von ihm kaufte es 1862 Josef Anton Freiherr von Beck-Peccoz und nützte es als Schloß. Noch heute befindet es sich im Besitz der Freiherrn von Beck-Peccoz. Äbtissin Bennonia starb am 26. Juli 1833 und wurde ebenso wie ihre 23 Mitschwestern im Kühbacher Friedhof begraben. Ein schlichter Grabstein aus jener Zeit und eine Grabplatte mit dem Pontifikalstabe, bezeichnen die Stelle. Die letzte Zeugin einstmaliger Größe des Klosters, die Gartenschwester Agathe Zeitlmayr, wurde im Jahre 1835 von der Kühbacher Bötin Kreszenz Lechner und deren Sohn Bartholomäus Samson ermordet und beraubt. Kreszenz Lechner wurde noch im gleichen Jahr in Aichach öffentlich vom Scharfrichter aus Augsburg enthauptet. Das war die letzte Hinrichtung in Aichach. Ihr Sohn wurde, da noch jugendlich, lebenslänglich eingesperrt.

Skapulier-Bruderschaft

Seit 10.März 1667, noch aus den Zeiten des Klosters in Kühbach besteht hier diese marianische Erzbruderschaft. Großen Zulauf von Gläubigen aus der näheren und weiteren Umgebung hatte sie seit dieser Zeit. In der Pfarrkirche befindet sich ein eigener Altar dieser Bruderschaft mit der schön bekleideten Muttergottes und dem Jesuskind. An den Bruderschafts-Festtagen, dem "Skapulierfest" im Juli und an Mariä Himmelfahrt, kamen früher viele Gläubige nach Kühbach, um die Predigt zu hören, Gottesdienste mitzufeiern und bei den zahlreich erschienenen Priestern zu beichten und zu kommunizieren. Der Priestermangel und der Zeitgeist haben diese wertvolle Einrichtung in den Hintergrund treten lassen. Aber immer noch lassen Eltern ihre Kinder nach der Erstkommunion am Bruderschaftsaltar in diese geistliche Gemeinschaft aufnehmen.
Ziel dieses Bundes ist ein christliches Leben aus dem Glauben, sowie öftere Beichte und Kommunion, um so die Verbindung mit Gott durch Vermittlung seiner Mutter Maria nicht abreißen zu lassen, sondern ständig zu festigen und zu erneuern.
Betritt man durch den Haupteingang die Pfarrkirche, so fällt der Blick gleich gegenüber auf den "Bruderschaftsaltar". Er war vor dem letzten Umbau der Kirche der Choraltar (Hauptaltar) und trug ein geschnitztes Madonnenbild, das im Krieg geraubt und verunehrt worden war. Der Altar wurde 1713 renoviert und mit einem vom Volk hochverehrten, bekleideten Madonnenbild versehen. Dieses besteht nur aus einem Gestell mit Kopf und Händen und dem ebenso gestalteten Jesuskind. Maria und das Jesuskind halten jeweils ein "Skapulier Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel" in Händen. Es besteht aus zwei Stückchen braunen Wollstoffes, die durch zwei Tragebändchen miteinander verbunden sind. Das Skapulier deutet das braune Schulterkleid des Ordensgewandes der Karmeliter an. Eines der Wollstückchen trägt ein Bildnis der Muttergottes mit ihrem göttlichen Kinde auf dem Arm. Auf dem anderen Wollstückchen befindet sich das Bild des Gekreuzigten oder des Heiligsten Herzens Jesu.
Das Skapulierfest hat in Kühbach also eine überaus lange Tradition. Jahrhundertelang ließen sich jährlich etwa 200 Gläubige in die Bruderschaft aufnehmen. Noch bis in die 70er Jahre kamen zu diesem Festtag viele Bruderschaftsmitglieder aus dem gesamten Umland, sodass die große Pfarrkirche viel zu wenig Platz bot. Ein auswärtiger Zelebrant hielt die Festpredigt, während mehrere Priester den überaus zahlreich anwesenden Gottesdienstbesuchern die Beichte abnahmen. Nach dem Festgottesdienst schloss sich eine große Sakramentsprozession durch den Ort an. Spätnachmittags schloss das Skapulierfest mit einer feierlichen Abendandacht.
Aber auch heute noch wird beim Festgottesdienst immer am dritten Sonntag des Juli besonders für alle verstorbenen Mitglieder der Skapulier-Bruderschaft gebetet, die sich im Vertrauen auf das Gebet späterer Generationen in die Bruderschaft haben eintragen lassen. Nach altem Brauch sind besonders die Kommunionkinder aufgerufen, sich in die Bruderschaft einschreiben zu lassen. Direkt im Anschluss an die Einschreibung erfolgt durch den Pfarrer am Bruderschaftsaltar die feierliche Aufnahme. Dabei erhält jedes neue Mitglied auch ein dem Original nachempfundenes kleines Skapulier aus Stoff. --- AKTUELLES --- Neue Aufnahmen in die Kühbacher Bruderschaft „Unserer lieben Frau vom Berge Karmel“ 2015 Beim Skapulierfest der Pfarrei St. Magnus am Sonntag, 19. Juli 2015, wurden in die Bruderschaft „Unserer lieben Frau vom Berge Karmel“ Josef und Astrid Sagstetter, Benedikt Rinauer, Sophia Wagner und Florian Felber aufgenommen. Am Bruderschaftsaltar segnete Pfarrer Paul Mahl die Skapuliere und überreichtes es den fünf Neuen im Rahmen einer Andacht nach dem Festgottesdienst. Die Bruderschaft besteht seit über drei Jahrhunderten. Gegründet wurde sie 1667. Foto/Text: Helene Monzer