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Das Schöffauer Marienwunder

Schmuckstück der Innenausstattung der Schöffauer St. Anna-Kirche ist die Holzfigur der Mutter Gottes aus dem 14. Jahrhundert. Sie befindet sich heute auf der Frauenseite, anstelle der alten Kanzel. Auf diese Madonna gründet sich der Ruf der Kirche als seinerzeit weit bekannter Wallfahrtsort. Diese Marienwallfahrt begann im Mittelalter. Auf einem Wallfahrtsbrief aus dem Jahr 1517 ist ein Schöffauer Marienwunder beschrieben. Dieses Blatt befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München.   Bis 1672 waren die Wallfahrten auf dem Höhepunkt. An den Samstagen der Bittwochen kamen regelmäßig mehr als 20 Pilgergruppen aus allen Teilen des Landes. Der Volksmund erzählt, das Gnadenbild würde die Farbe eine Neubemalung nicht annehmen. Im ausgehenden 17. Jahrhundert nahm die Beliebtheit Schöffaus als Wallfahrtsort dann jedoch ab. 

St. Anna in Schöffau

Über viele Jahrhunderte hinweg mussten auch die Schöffauer Bürger den beschwerlichen Weg zur Pfarrkirche auf der Insel Wörth zurücklegen. Wann die heutige Dorfkirche gebaut wurde, lässt sich nicht genau festlegen. Sie dürfte vor 1621 entstanden sein. Es handelt sich um einen Kirchen-Neubau, der Mauerreste aus dem 14. Jahrhundert mit einbezieht. So sind Überbleibsel einer gotischen Kirche rund um die jetzigen Außenmauern zu finden: Unter den Hauptmauern des Chores, die einen gotischen Grundriss zeigen, Reste von Spitzbögen bei den Chorfenstern, gotische Arbeiten an den Altarsteinresten und an einem eisernen Türchen an der Rückseite des Hochaltares. Gut erhalten blieb auch das gotische Eingangsportal und eine gotische Wandgestaltung, die einst die Nordseite des Langhauses überzog und den Rest eines Passionszyklus zeigt. Der Turm des Bauwerkes stammt ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert. Er ist 25 Meter hoch und besitzt ein Satteldach. Der gesamte Turm ist aus Ackersteinen gebaut. Die Kirche ist in der klassischen „West-Ost-Richtung“ ausgelegt. Sie besteht aus einem etwas erhöhten Chor und einem einschiffigen Langhaus. Das Tonnengewölbe besteht aus Holz und hängt direkt am Gebälk des Dachstuhls. Das Kreuzgewölbe im Chor dagegen besteht aus Backsteinen.  An der Südwand des Langhauses wurden Fragmente von gemalten Epithaphien aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Sie zeigen bedeutende Bürger der Gemeinde. Ausgestattet ist die Kirche mit den typischen ländlichen Stilmitteln des Barock. Von besonderem künstlerischen Wert sind die alten Holzfiguren: Über dem Hochaltar befindet sich die Statue einer sitzenden Madonna aus dem 16. Jahrhundert. Die beiden Seitenaltäre stammen von dem Schöffauer Kistler Anselm Bußjäger, wie auch die nicht mehr vorhandene Kanzel.     Beide Seitenaltäre zeigen bereits klassizistische Formelemente und sind der „Mutter-Anna“ und „Johannes dem Täufer“ geweiht. An die 1,12 Meter große, bemalte Holzfigur der „Mutter-Anna“ (16. Jhdt.) wurde später ein Jesukind und eine Madonna zugefügt., so dass es sich heute um eine „Anna-Selbdritt-Gruppe“ handelt. Die Statuen des heiligen Josef und des heiligen Joachim stammen aus dem frühen Barock. Schmuckstück der Innenausstattung ist die Holzfigur der Mutter Gottes aus dem 14. Jahrhundert. Sie befindet sich heute auf der Frauenseite, anstelle der alten Kanzel. Auf diese Madonna gründet sich der Ruf der Kirche als seinerzeit weit bekannter Wallfahrtsort. Diese Marienwallfahrt begann im Mittelalter. Auf einem Wallfahrtsbrief aus dem Jahr 1517 ist ein Schöffauer Marienwunder beschrieben. Dieses Blatt befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München. Bis 1672 waren die Wallfahrten auf dem Höhepunkt. An den Samstagen der Bittwochen kamen regelmäßig mehr als 20 Pilgergruppen aus allen Teilen des Landes. Der Volksmund erzählt, das Gnadenbild würde die Farbe eine Neubemalung nicht annehmen. Im ausgehenden 17. Jahrhundert nahm die Beliebtheit Schöffaus als Wallfahrtsort dann jedoch ab. Der Dachstuhl stammt aus den Jahren 1806/07. Der Maler Benedikt Mangold aus Unterammergau renovierte den Gesamtbau 1856. Diese Arbeit vollendete Richard Mangold aus Weilheim 1897. Das Glockenhaus mit seinem Kreuzgewölbe diente als Sakristei. Die jetzige Sakristei erhielt 1856 einen zweiten Stock. Der alte Glockenturm musste 1970 mit ungefähr 120 Zentnern Zement verstärkt werden, weil er beim Läuten zu heftig schwankte.   Im Jahr 2007 wurde die Kirche aufwendig restauriert.

St. Anna strahlt in neuem Glanz

Liest man die Bestandsaufnahme der Restaurierungswerkstätte Peter Niederhauser aus Prittriching zu unserer St. Anna Kirche in Schöffau, dann wird einem schnell ganz klar, was dieses Kleinod schon alles erlebt haben muss. Ein gotischer Chor, ein barock verändertes Langhaus, frühklassizistische Seitenaltäre und ein spätromanischer Turm sind stille Zeugen der steten Veränderung in diesem Gotteshaus, das als Saalkirche Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Angesichts ihres Alters von nahezu einem halben Jahrtausend mag unserer Kirche die in unseren Augen mit 4 Monaten schier unendlich andauernde Renovierung nur ein Wimpernschlag vorgekommen sein. Ein Wimpernschlag allerdings, der alles reinigte, was sich seit der letzten Gesamtrenovierung 1971 so angesammelt hatte: Starke Verschmutzung von Wänden, Stuck und Deckengemälden, poröse Oberflächen und Wasserschäden, Fehlstellen und Risse am Stuck sowie den marmorierten Oberflächen von Haupt- und Seitenaltären, abgeriebene Matallauflagen auf dem Rahmen der Kreuzwegbilder und nicht zuletzt eine von Holzwürmern traktierte 100-jährige Orgel, der regelrecht die Luft ausging. Die handwerklich hervorragende Arbeit der Restaurierungsfirma Niederhauser, der Malerfirma Diem sowie des Orgelbauers Dieter Schingnitz sind die eine Sache, die andere ist die viele Arbeit drum herum, die auch getan werden musste. Hier soll noch mal all den freiwilligen Helfern und Helferinnen gedankt werden, die unentgeldlich ihre Zeit und Arbeitskraft zur Verfügung gestellt haben. So wurden beim Aus- und Einbau der Kirchenstühle als auch bei den groben Reparaturabeiten am Putz, bei der Elektroinstallation und den schließlich bitter notwendigen Endreinigungen hohe Kosten gespart. Trotzdem belaufen sich die gesamten Renovierungskosten auf 70.000 Euro, von denen die Katholische Kirchenstiftung St. Anna eine Eigenanteil von 32.000 Euro zu bestreiten hat. Darin enthalten sind 9500 Euro allein für die Orgelrenovierung, für die bereits lange vor Beginn der Kirchenrenovierung großzügige Spenden eingegangen sind und schließlich durch Sammlungen bei Konzerten ergänzt wurden. Nur durch die großzügige finanzielle Hilfe von vielen privaten Spendern sowie den örtlichen Vereinen konnte der Eigenanteil erbracht werden. Den Rest übernimmt unsere Gemeinde, der Landkreis, der Bezirk, das Bayr. Landesamt für Denkmalpflege, die Bayr. Landesstiftung sowie die Diözese Augsburg. Allen Spendern, den freiwilligen Helfern, der Kirchenverwaltung mit unserem Herrn Pfarrer Walter und unserer Gemeinde sei hiermit nochmals ein herzliches "Vergelt´s Gott" gesagt. Um unserer Kirche etwas Gutes zu tun wurde beschlossen, einen der Hauptverschmutzungsfaktoren, die elektrische Heizung, in Zukuft etwas sparsamer einzusetzen. Wir müssen uns dann zwar ein wenig wärmer anziehen, aber der neue Glanz unserer Kirche wird unsere Herzen erwärmen und wir können uns darüber freuen, dass unsere St. Anna Kirche viele Wimpernschläge ausharren wird, bevor erst von der übernächsten Generation wieder dieser Kraftakt einer Renovierung abverlangt wird. Text: Josef Lory, Bilder in der Bildergalerie von Silvia Rudloff