Einweihung der neuen Kapelle auf dem Holmer- Hof
Eine Kapelle hatte seit 1776 zum Holmer- Hof gehört. Sie musste abgerissen werden, weil sie beim Straßenbau Böbing- Schöffau im Weg gestanden war. Anton und Franziska Hindelang sowie der jungen Hindelang – Generation (er hat fünf Kinder und 16 Enkelkinder) war es aber ein Anliegen, dass alles, was die Kapelle anbelangt, auf dem Hof weitergeführt wird. Und so wurde die neue Kapelle in Eigenleistung und auf eigene Kosten in drei Jahren Bauzeit fertig gestellt.
Die feierliche Einweihung und Segnung erfolgte am Erntedankfest am 2. Oktober 2016 durch Dekan Robert Walter.
Für die musische Gestaltung sorgten die Holz- und Blechbläser der Familie Hindelang. Dekan Robert Walter sprach der Familie für dieses wunderschöne Werk seinen Dank aus.
Das Altarbild aus dem Jahr 1776 stellt die „Unbefleckte Empfängnis Mariens“ dar und so hat die Kapelle auch den Namen „Kapelle zur unbeflecktes Empfängnis“.
Zur Erinnerung: die unbefleckte Empfängnis ist ein Dogma (Lehrsatz) der Glaubenslehre der katholischen Kirche, nach dem die Gottesmutter Maria vor jedem Makel der Erbsünde bewahrt wurde. Damit habe Gott Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an vor der Sünde bewahrt, weil sie die Mutter Jesu werden sollte.
Die Erbsünde ist ein Unheilszustand, der durch den Sündenfall Adam und Evas herbeigeführt worden ist und an dem seither jeder Mensch als Nachfahre dieser Ureltern teilhabe.
Im Inneren der Kapelle legte der Geistliche eine kleine Reliquie der Heiligen Crescentia von Kaufbeuren in eine Ausbuchtung am Altar, die Anton Hindelang vom Professor Hans Pörnbacher als Geschenk erhalten hatte. Damit brachte Dieser seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Familie Hindelang diese Kapelle gebaut hat.
Die Heilige Crescentia, ihr Taufname war Anna, wurde als Tochter des Webers Mathias Höß und seiner Frau Luzia am 20. Oktober 1682 in Kaufbeuren geboren. Da die Familie sehr arm war und die Mitgift nicht aufbringen konnte, gelang es Anna nur durch Vermittlung des evangelischen Bürgermeisters, in das Kloster der Franziskanerinnen aufgenommen zu werden. Nach strengen Gehorsamsübungen übernahm Crescentia, wie sie nach der Aufnahme in den Orden hieß, wichtige Aufgaben im Kloster und wurde schließlich 1741 zur Oberin gewählt. Sie war als Oberin darauf bedacht, dass die Ordensregeln eingehalten wurden, wobei sie sich selbst strengste Maßstäbe anlegte. Ebenso wichtig war ihr aber das verständige Miteinander in der Gemeinschaft. Freude und Fröhlichkeit sollte im Kloster herrschen. Mit dem Tod von Crescentia am 5. April 1744 setzte ein unablässiger Strom von Pilgern ein, der Kaufbeuren für lange Zeit zu einem Mittelpunkt des religiösen Lebens in Schwaben und darüber hinaus machte. Bis zu 70000 Menschen kamen in manchen Jahren. Ihre Heiligsprechung am 25. November 2001 war für viele Gläubige ein Anlass zur großen Freude und eine Bestätigung ihrer bis heute anhaltenden Verehrung in der gesamten Weltkirche.
Text und Fotos: Silvia Rudloff, Schöffau