Bergkirche "St. Nikolaus"
Die St. Nikolauskirche/"Bergkirche"und der Kreuzweg zum Friedhof (Fotos von Hermann Knauer)
Vor etwa fünfhundertfünfzig Jahren beginnt die Geschichte des heutigen Gotteshauses auf dem Klausberg. Da wurde den Bürgern von Obergünzburg dieses kostbare Heiligtum geschenkt. Der Wächter dieses Heiligtums ist der Heilige Nikolaus, die Symbolgestalt des ewig Schenkenden. Eine Figur, innen gleich über dem Eingang der Kirche, zeigt den Heiligen. Der Mittelpunkt des Heiligtums ist der im Tabernakel gegenwärtige Leib Jesu Christi und seine Mutter "Die gnadenreiche und wunderbarliche Muttergottes in der Filial-Kirchen auf dem Nicolas-Berg in Obergünzburg" wie die Umschrift am Gnadenbild uns mitteilt. Das Gnadenbild der Gottesmutter mit dem schlafenden Jesuskind eines unbekannten Meisters sorgte daür, dass die Friedhofskirche ab 1700 lange Zeit eine vielbesuchte Wallfahrtsstätte wurde. Im Schatten unseres Heiligtums ruhen seit dem 30jährigen Krieg 1618 bis 1648 die Verstorbenen unserer Pfarrei St. Martin.(Quelle: Grußwort von BGR Pfarrer Ernst Heim 1981)
Zur Geschichte der Bergkirche: Eine Urkunde aus dem Jahr 1714 berichtet, die Nikolauskirche sei früher die Pfarrkirche gewesen, also älter als die Martinskirche. Die Bergkirche ließe sich auf eine Burgkapelle zurückführen. In der ritterlichen Zeit gab es eine Burganlage auf dem Nikolausberg. Reste von zwei Vorburgen wurden auf dem Gelände nachgewiesen und Dienstmannengeschlechter urkundlich erwähnt. Nach der Sage wurde eine Burgkapelle gebaut, als deren Kirchenpatron der Heilige Nikolaus, Bischof von Myra in Kleinasien erwählt wurde wegen eines Gelöbnisses zweier Günzburger Ritter für die glückliche Heimkehr vom Kreuzzug.
In der Zeit von 1450-1500 wurde die heutige Nikolauskirche erbaut, danach 1500-1550 die Rundtürme mit Spitzhelmen im Friedhofsgelände. Immer wieder wurde die Nikolauskirche unter großem finanziellen Aufwand und mit vielen Helfern renoviert. Zuletzt im Jahr 1981 mit über 170 freiwilligen Helfern aus Obergünzburg und allen zur Pfarrei gehörenden Ortschaften und Weilern, Mitglieder aus Vereinen und vor allem aus der Kolpingsfamilie. Auch viele ortsansässige Firmen beteiligten sich mit ihren Angestellten oft unentgeltlich an dem großen Gemeinschaftswerk. Männer, Frauen, auch Ordensfrauen und Jugendliche haben in unermüdlichem Fleiß in fast 4000 Arbeitsstunden das geleistet, was die Kirche heute noch ist: ein segenreiches Schmuckstück! Aktuell werden in der Bergkirche nicht nur Begräbnisgottesdienste gehalten, sondern unter anderem regelmäßig das beliebte Abendgebet mit Gesängen aus Taize.
Zu betrachtende Kunstwerke- außer dem viel verehrten Wallfahrts-Gnadenbild- sind: Ein großes Leinwandbild mit der Darstellung des heiligen Nikolaus zu Füßen der Hl. Dreifaltigkeit (ein italienisches Werk, entstanden etwa um 1730) ferner eine bemalte Holz-Gedenktafel (doppel-T-förmig) mit Kreuzigungsgruppe und knienden Stiftern vom Jahr 1601, sowie ein großes Holzkruzifix aus dem frühen 18. Jahrhundert in neuer Fassung. Interessant sind weiterhin eine reich geschnitzte Eichen-Chor-Bank von 1720 und einige Epitaphien aus Stein und Metall. Von der Ausstattung des Jahres 1879 sind das Gestühl (Fichte mit geschnitzten Eichendoggen), die Emporenbrüstung und drei Teile eines neoromanischen Chorgestühls vorhanden. Vor allem aber eine Reihe von Bildtafeln Johannes Kaspars aus den verlorenen Altären in sehr unterschiedlichen Formaten und Größen.
1857-1863 errichtete Steinmetzmeister Schwarz aus Kaufbeuren neue Kreuzwegstationen mit Bildern von Johannes Kaspar.