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Pfarreien, Gottesdienste, Veranstaltungen

Kirchen

Unsere Pfarrgemeinde gehört der Diözese Augsburg und dem Dekanat Krumbach an.

Münsterhausen ist ein langes Straßendorf, das sich entlang der Staatsstrasse 2025 auf einer Länge von 2,5 km im schönen Mindeltal erstreckt. Es umfasst zwei ehemalige Ortschaften: Münster und Hausen (Münsterhausen). Jeder der Ortsteile hat seine eigene Kirche. In Münster ist die Pfarrkirche St. Peter und Paul mit ihrem schlanken Zwiebelturm und in Hausen freut sich die schmucke Wallfahrtskirche „Zu unserer lieben Frau“ – Frauenkirche genannt – auf Ihren Besuch. Zu unserer Pfarrgemeinde gehören auch zwei Ortsteile: Reichertsried mit der schönen „Herrgott`s Ruh“ Kapelle und Häuserhof.

Einladend ist unsere Pfarrgemeinde nicht nur durch Kirchen und Kapellen. Ihre Lebendigkeit zeigt sich gerade in der Vielfalt der Gruppen und altersspezifischen Angebote: Sakramentenkatechese, Kinder-, Familien- und Jugendgottesdienste, Kinderbibeltage, Erwachsenenbildungangebote, Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung, Krabbelgruppen, Kinder- und Jugendgruppen, eine große Ministrantenschar, Kirchenchor, und Seniorennachmittage, Pfarrwallfahrten, Bergmesse, Pfarrfeste, Förderverein der Frauenkirche, Kindergarten „St. Josef“ und vieles mehr.

Seit 1998 bilden wir eine Pfarreiengemeinschaft mit den Pfarrgemeinden St. Franziskus Burtenbach und St. Georg Kemnat mit der Filiale St. Wendelin Hagenried, wobei die Burtenbacher Katholiken immer schon von Münsterhausen aus betreut wurden.

Pfarrer Mirko Cavar

Festschrift zum Jubiläum 300 Jahre Frauenkirche und Pfarrkirche St. Peter und Paul:

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Frauenkirche

Geschichte der Kirche Unserer Lieben Frau zu Münsterhausen 1. Vorgeschichte Münsterhausen ist eine ehemalige Doppelgemeinde bestehend aus den früheren Orten Münster und Hausen. In der Chronik von Grimo Kornmann, letzter Prior und Geschichtsschreiber des Prämonstrantenserstift Ursberg, wird zum Jahre 1507 eine Leonhardskapelle in Hausen erwähnt. In den Aufzeichnungen des Schullehrers und Gerichtschreibers Michael Boll (17. Jahrhundert) wird auf eine Kapelle Zu Unserer Lieben Frauen Hauser Capell hingewiesen. 2. Baugeschichte 2.1. Johanna Francisca von Heidenheim und ihr Gelöbnis Die Frauenkirche in der Marktgemeinde Münsterhausen an der Mindel ist ein bedeutendes Kunstdenkmal. Eng verbunden mit den Kirchen in Münsterhausen und in Besonderem mit der Frauenkirche ist das Geschlecht der Heidenheimer, die hier im Jahr 1659 das Lehen übernahmen. Am 18. November 1686 heiratete Christophorus Marquart Alexander von Heidenheim seine Johanna Francisca, eine geborene Baronin von Welden (Kleinlaupheimer Linie). Sie gebar ihm sieben Kinder. Nach den letzten beiden Schwangerschaften - die Mädchen kamen am 13. Februar 1695 und am 8. Juni 1696 zur Welt - hatte die Freifrau, da ihre beiden Knaben kurz nach der Geburt gestorben waren, fünf Mädchen und keinen Stammhalter. Johanna Franziska wandte sich in ihrer Not an die Mutter Gottes von Altötting. Da sie ein Abbild der an diesem Wallfahrtsort verehrten Madonna immer in ihrer Nähe haben wollte, erbat sie von dem dortigen Kustos, Baron von Gumberg, eine geweihte Kopie des Gnadenbildes. Sie ließ nach den Maßen des Vorbilds, der Altöttinger Gnadenkapelle, ein Kirchlein in der Form eines Oktogons errichten. Dieser Bau wurde vom Meister Sebastian Hitzelsberger aus Münsterhausen errichtet. Am 24. September 1699 wurde die Nachbildung des Gnadenbildes überbracht und feierlich aufgestellt. Die Baronin trug zu diesem Zeitpunkt das 8. Kind unter ihrem Herzen. 2.2. Bau und Einweihung der Frauenkirche Um dem daraufhin einsetzenden Strom der Pilger zum „Schwäbischen Altötting“ gerecht zu werden, legte Pfarrer Michael Wolfegg im Auftrag von Freifrau Johanna Francisca von Heidenheim, geb. Baronin von Welden, den Grundstein zum Bau des Langhauses an der Gnadenkapelle. Schon am 28. November 1699 kamen die ersten Steinlieferungen aus der Ziegelei in Reichertsried. Der fürstbischöfliche Baumeister Valerian Brenner aus Vorarlberg, der sich in Günzburg niedergelassen hatte, und der Stukkateur Hans-Jörg Brix schufen ein herrliches Werk barocker Baukunst, welches durch eine Türe und ein Fenster mit der achteckigen Kapelle verbunden war. Die Bauzeit dauerte bis 1708. Das Gotteshaus weihte der Augsburger Weihbischof Johannes Casimir Röls am 28. Oktober 1708. Die Freifrau Johanna Francisca von Heidenheim erlebte dieses Fest nicht mehr, denn sie verstarb schon am 18. Februar 1700 als Wöchnerin. Auch der Pfarrer und Bauherr der Frauenkirche, Michael Wolfegg, erlebte den lang ersehnten Tag der Einweihung dieses Gnadenortes nicht mehr. Er verstarb am 29. August 1708. Sein gut erhaltenes Epitaph in der Pfarrkirche St. Peter und Paul zeugt von diesem großartigen Priester und Seelsorger. Pfr. Mirko Cavar fand 2004 auf dem Dachboden des Pfarrhofs eine kleine Schachtel mit Reliquien und einer gut erhaltenen Urkunde. Der Inhalt wurde dem damaligen Diözesanbischof Dr. Viktor Josef Dammerz übergeben. Nach gründlicher Überprüfung durch das Archiv des Bistums stellte sich heraus, dass es sich bei der gefundenen Urkunde, um die Weiheurkunde des Lehonhardaltars handelt. Urkunde MDCCVIII die 28ten mensis Octtobris Ego Joannes Casimirus Episcopus Amidensis Reverendissimi Serenissimi Principis et Episcopi Augustani Suffraganaeus consecravi Altare hoc in honorem Sancti Leonardi, Sancti Antonii, Sancti Sebastiani et Reliquias Sanctorum Martyrum Pastoris Olympii et Valeriae in eo inclusi et singulis Christi fidelibus hodie unum annum, et in die anniversario consecrationis hujusmodi ipsum visitantibus quadraginta dies de vera Indulgentia in forma Ecclesiae consecrata concessi. 1708 – 28. – Oktober Ich Joannes Casimir, Bischof von Amidensis, Sufragan des hochehrwürdigsten Fürsten und Bischofs von Augsburg habe diesen Altar geweiht zu Ehren des heiligen Leonard, des heiligen Antonius und des heiligen Sebastian. Und ich habe die Reliquien der heiligen Märtyrer Pastor Olympius und Valeria, die in diesem Altar eingeschlossen sind, ebenfalls geweiht. Und ich habe allen Christgläubigen, die von heute an auf ein Jahr und am Jahrtag dieser Weihe diesen Altar aufsuchen, einen 40-tägig wirksamen Ablass in der üblichen Form der Kirche gewährt. 2.3. Das Ende der Ära von Heidenheim und die Zeit danach Das Geschlecht der Heidenheimer erlosch im Mannesstamm mit dem Tod des erst 23-jährigen Johannes Ludwig am 12. April 1789, der in der Frauenkirche begraben ist. Sein Epitaph gibt Zeugnis von seiner religiösen Haltung und Menschenliebe. Die einzig bedeutende bauliche Veränderung erfolgte ab dem Jahr 1901. Bis zu diesem Jahr war die Marienkapelle vom Langhaus getrennt und nur durch eine Tür zu betreten. Im Rahmen einer Renovierung wurde der Durchbruch zur Kapelle durch einen Korbbogen geschaffen, der dem Besucher eine veränderte Raumwirkung dadurch vermittelt, dass die beiden Sakralräume als Einheit fungieren. Der restaurierte Altar wurde in die Mitte der Kapelle verlegt. Seit Weihnachten 1902 wird er als Hoch- und Zelebrationsaltar genutzt. Auch in jüngster Zeit gab es große Bemühungen um den Erhalt des Gotteshauses. 1949 wurden die große Mauer zum Friedhof im Osten und die Lourdes-Grotte errichtet. 1965 fielen die vor der Kirche stehenden Kastanien der Axt zum Opfer. 1968 wurde mit der Außenrenovierung begonnen. In diesem Jahr wurde auch eine Sakristei angebaut und eine Heizung installiert. In den Jahren 1970 bis 1972 erfolgte eine Generalrenovierung des Kircheninnenraumes. Dabei waren im wesentlichen ortsansässige Firmen beteiligt. Der Abschluss dieser Kirchenrenovierung konnte am 29. Oktober 1972 mit dem Bischof Dr. Joseph Stimpfle gefeiert werden. 3. Gründung des Fördervereins anlässlich der 300-Jahr-Feier der Altöttinger Muttergottes Am 26. Sept. 1997 erfolgte die Gründung des „Fördervereins Frauenkirche Münsterhausen e. V.“, der sich zum Ziel setzte, die Frauenkirche zu erhalten. Über 200 Mitglieder traten dem Verein bei und haben damit neben der großen finanziellen Unterstützung auch die Wertschätzung „Unserer Lieben Frau“ durch Ihre Mitgliedschaft zum Ausdruck gebracht. Die notwendige Außenrenovierung begann im Mai 1998 und fand im November1998 ihren vorläufigen Abschluss. Ab April 1999 erfolgte die komplette Innenrenovierung mit Säuberung und Ausbesserung des Stucks. Die Freilegung der Fundamente zur Austrocknung wurde im Juni 1999 durchgeführt. Im gleichen Monat konnte die vom Förderverein veranlasste Prägung der Gedenkmünze „300 Jahre Altöttinger Mutter Gottes in Münsterhausen“ herausgegeben werden. Sie ist eine Erinnerung vom bleibenden Wert. Der Erlös aus dem Verkauf dieser Münze konnte zur Deckung der Renovierungskosten verwendet werden. Für den gleichen Zweck fand das 2. Marktfest Anfang Juli 1999 statt. Daran beteiligten sich alle örtlichen Vereine in vorbildlicher und dankenswerter Weise. Am 24. September 1999 waren es 300 Jahre, dass das Gnadenbild der Gottesmutter in der Frauenkirche präsent ist. Pfarrer Mirko Cavar nahm dies zum Anlass, mit der restaurierten Statue der Muttergottes in die Kirche einzuziehen und eine Gedenkandacht zu feiern. Am Christkönigsonntag desselben Jahres (21. November 1999) feierte die Pfarrgemeinde die gelungene Außen- und Innenrenovierung ihrer Frauenkirche mit Weihbischof Josef Grünwald aus Augsburg, der den neu errichteten Volksaltar weihte und das in neuem Glanz erstrahlende Gotteshaus segnete.     Besuch des „Schwäbischen Altöttings“ – der Frauenkirche zu Münsterhausen 1. Die Gnadenkapelle Die Gnadenstätte „Unserer Lieben Frau“ zu Münsterhausen liegt ein wenig erhöht an der Hauptstraße. Sie hat keine aufwendige Fassade. Sie wirkt einzig durch ihre architektonische Form. Über einer durch sechs ovale Fenster gegliederten Fassade erhebt sich ein barocker Giebel, aus dessen oberstem Geschoss ein Dachreiter aufwächst, der mit einer Zwiebelhaube bekrönt ist. Die Schönheit der Frauenkirche in Münsterhausen liegt nicht so sehr an ihrem äußeren Erscheinen sondern an ihrer inneren Pracht und Schönheit. Wer sie betritt, ist beeindruckt von dem reichen Wessobrunner Stuck und den wuchtigen ebenholzartigen Seitenaltären, die den Raum beherrschen. Das Langhaus der Wallfahrtskirche ist ein weiträumiger Saal, der über eine Korbbogenöffnung mit der als Chor genutzten Gnadenkapelle im Osten verbunden ist. Die nach Altöttinger Vorbild als oktogonaler Zentralraum angelegte Gnadenkapelle besitzt sechs halbrunde, in das Mauerwerk eingetiefte Nischen. Die Belichtung der mit einem flachen Gewölbe versehenen Kapelle erfolgt über zwei Rundbogenfenster. In den Nischen stehen die Statuen der hl. Theresia von Avila, der hl. Mutter Anna, des hl. Aloysius und des hl. Josef. Auf dem Altar steht in einer Öffnung über dem Tabernakel das Bild „Unserer Lieben Frau“ von Altötting mit dem göttlichen Kind. In der Linken trägt Maria das Szepter, auf dem Haupt eine geschnitzte Krone. Wie in Altötting ist das Gnadenbild überwölbt von einer aus Silber- und Goldblech geformten Reliefdarstellung der Krönung Mariens im Himmel, wobei die Gekrönte im Gnadenbild selbst dargestellt ist. Gottvater und Gottsohn halten die Krone, über welcher der Heilige Geist in Gestalt der Taube schwebt. Von ihm gehen – ähnlich wie in Altötting – drei Stahlen aus, auf denen die Worte zu lesen sind: „Die Patris filia“ – „Spiritus sancti sponsa“ – „Dei filii Mater“ (Gottvaters Tochter – Des Heiligen Geistes Braut – Des Gottessohnes Mutter). Neben den Säulen, welche die Marienkrönung flankieren, stehen große Figuren der Augsburger Bistumsheiligen Ulrich und Afra und zu beiden Seiten des Tabernakels Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist. Das Antependium zeigt den Tod Mariens. 2. Langhaus Das Langhaus wird vor allem von zwei wuchtigen ebenholzartigen Seitenaltären sowie von der wunderschönen Wessobrunner Stuckatur beherrscht. 2.1. Seitenaltäre Der linke Seitenaltar ist dem hl. Leonhard, dem heiligen Antonius von Padua und dem heiligen Sebastian geweiht. Dem Bauernheiligen und Schutzpatron der Tiere und Gefangenen wird hier eine ganz eigene Rolle zugeteilt: Als Beschützer der werdenden Mütter und der Neugeborenen. Auf dem Bild zeigt ihm eine Mutter ihr neugeborenes Kind. Diese einzigartige Darstellung des Heiligen ist auch in Verbindung zu bringen mit Freifrau Johanna Franzisca von Heidenheim und ihren Problemen mit der Geburt eines Stammhalters in Verbindung bringen. Es mag zudem sein, dass in Hausen, als die St. Leonhardskapelle abgerissen wurde, um der Frauenkirche Platz zu machen, Schwierigkeiten auftraten. Die Verehrer des Heiligen wurden aber durch eine eindrucksvolle Darstellung des heiligen Leonhard entlohnt, auf dem noch die Heiligen Antonius und Sebastian als besondere Fürsprecher in menschlicher Not verewigt sind. Nicht Maria und die Heiligen stellen das eigentliche Zentrum dar. Die Kreuzigungsgruppe über dem Eingang zum Gnadenaltar und der zweite Seitenaltar verdeutlichen dies: Jesus Christus ist die Mitte. Der rechte Seitenaltar ist ein Christus-Altar, ganz auf das Geheimnis des Todes und der Auferstehung hindeutend. Das Antependium zeigt die Kreuzigung, das Hauptbild die Beweinung, der Auszug die Grablegung. Als Krönung steht zwischen zwei Engeln der Auferstandene Christus. 2.2. Die Kanzel Wenden wir auch der wunderschönen Kanzel einen Blick zu. An der Brüstung halten Engel Kreuz, Stern und Herz als Symbole der göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Zwei große Engel tragen den Schalldeckel, den wiederum schöne Engelsgestalten zieren. Die Kanzel ist bekrönt von einem strahlenden Cherub des Gerichts mit der Posaune in der Rechten. 2.3. Deckengewölben Noch weitere schöne Bilder und figürliche Darstellungen umhütet die Kirche wie z. B. die Hl. Barbara, den Hl Florian, den Hl. Nepomuk, den Hl. Wendelin und den Hl. Bruder Klaus von Flüeli. In den Deckengewölben leuchten aus dem reichen Wessobrunner Stuck einige Geheimnisse des freudenreichen Rosenkranzes. Die kurz vor 1708 zu datierenden Deckengemälde sind in Ölfarbe auf Leinwand gefertigt. Das mittlere Ovalgemälde stellt die Krönung Mariä durch die Hl. Dreifaltigkeit dar. Die Bilder über der Empore zeigen die Verkündigung an Maria auf der Nordseite und die Geburt Christi auf der Südseite, vor dem Chor auf der Südseite den Tempelgang Mariä und auf der Nordseite eine Immaculata. Fazit Die Frauenkirche ist ein Juwel besonderer Art, eine Kirche, die zum Verweilen und Meditieren einlädt. Sie vermittelt auch eine besondere Botschaft, die manchen Besucher nachdenklich stimmen kann. Ob das Leben und frühe Sterben der Stifterin dieses Gnadenortes, ob das Sterben ihres Erbauers H. H. Pfarrer Wolfegg kurz vor der Fertigstellung, ob das schicksalhafte Leben des letzten Sprossen der Heidenheimer, der hier in der Frauenkirche seine letzte Ruhestätte gefunden hat, ob die vielen werdenden Mütter, die den starken Wunsch nach einem Kind in ihren Herzen getragen und hier auf die Fürsprache der Muttergottes eine Stärkung und Hilfe erfahren haben, das „Schwäbische Altötting“ oder die schöne, barocke Kirche zu „Unserer Lieben Frau“ zu Münsterhausen birgt in sich manche Geheimnisse, die der neue, unscheinbare Volksaltar und die Botschaft mancher Bilder kundtun: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch Ruhe verschaffen.“ Quellen für die Beiträge Pfarrkirche und Frauenkirche: Kirchenführer der
Pfarrkirche „St. Peter und Paul“ und Wallfahrtskirche „Unsere Liebe Frau“
Münsterhausen, Kunstverlag Peda Passau 2000.
Pfarrer Mirko Cavar, Festschrift „300 Jahre der Frauen- und Pfarrkirche St.
Peter und Paul - 1708-2008“ und „Lasst den Kirchenraum vom Glauben
erzählen“, Diözese Mainz 1999
Dr. Antonius von Steichele und Alfred Schröder, Das Bistum Augsburg Bd. 5,
Augsburg 1894.
Dekan Ludwig Gschwind, Kirchen und Wallfahrtsorte im Dekanat Krumbach,
Krumbach 2001.
Aufzeichnungen der Pfarrbücher der Pfarrei St. Peter und Paul, jetzt im
Archiv des Bistums Augsburg.
Texte: Pfarrer Mirko Cavar und Eugen Miller, Chronik desMarktes Münsterhausen, erschienen 2011.  

Pfarrkirche

Pfarrkirche St. Peter und Paul Münsterhausen

Ein schlanker, schön gegliederter barocker Zwiebelturm lädt ein, Münsterhausens Pfarrkirche St. Peter und Paul zu besuchen.

1. Baugeschichte

1.1. Die Ursprünge Über den ersten Kirchenbau in der Ortschaft Münster gibt es keine verlässlich überlieferten Nachrichten. Für die Vermutung, dass ein im Jahre 969 im Zusammenhang mit Zehentabgaben genanntes Gotteshaus in Munistiure das Vorhandensein einer Kirche im heutigen Ortsteil Münster bestätigt, gibt es keinen Quellenbeleg. Frühestens im 15. Jahrhundert wurde ein Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche errichtet. Davon zeugen sowohl die Tatsache, dass Münster im Jahre 1486 als Pfarrei genannt wird, als auch die im Turm und wohl in den Chormauern der heutigen Kirche erhaltenen Reste eines spätgotischen Baues. Ab diesem Zeitpunkt sind die Pfarrer lückenlos aufgeführt. Sie werden in der Chronik von Kirche und Pfarrei Münsterhausen erwähnt. Aus den Aufzeichnungen von Pfarrer Ludwig Vogg erfahren wir, dass am 24. Okt. 1575 der Choraltar durch den Augsburger Weihbischof Michael Augustanus konsekriert wurde. In der ursprünglichen Mitte des alten Altares fand Pfarrer Vogg eine kleine, wohlerhaltene, henkellose Urne aus Terra Cotta (vermutlich ein Blutnäpfchen aus den Katakomben) und eine Steinschicht tiefer ein gut erhaltenes Glas mit Gebeinen der Heiligen und einigen eingeschlossenen Bienen - wohl als Zeichen der Reinheit und Unverweslichkeit. Verschluss und Urkunde waren sehr morsch. Trotzdem konnte der Geistliche folgenden Wortlaut entziffern: Urkunde Anno Domini MDLXXV Mensis Octobris Die 24 Michael Domini et Apostoliae sedis gratia Episcopus Adrimetanus et Augustae Vindelicae Suffraganeus hoc Altare in Domini omnipotente nomine ad honorem beatae Mariae Virginis et omnium Sanctorum at que ad Specialem Sanctorum Petri et Pauli Apostolorum memoriam rite reconciliabat et consecrabat inclusis hic Sanctorum reliquiis ac indulgentiis et more Sanctae Romanae Ecclesiae concessis feste praedictorum omnium ipsius consecrantis autographo et sigillo subim presso. Factum anno mense ac Die supradictis. Michael Augustanus suffraganeus L.S. Im Jahre des Herrn 1575 am 24. Oktober habe ich Michael im Namen Gottes und des apostolischen Stuhles Gnade, Bischof von Adrimiten, Weihbischof von Augsburg, den Altar im Namen des allmächtigen Gottes, der seligen Jungfrau Maria und aller Heiligen, insbesondere der Hl. Apostel Petrus und Paulus im Gedenken in rechter Weise geweiht, eingeschlossen die Reliquien der genannten Heiligen. Die Hl. Römische Kirche gewährt am Fest aller Genannten einen Ablass. Eigenhändig unterschrieben und besiegelt. Geschehen am o. a. Monat und Tag. Michael Augsburger Weihbischof S. L. 1.2. Der 30-jährige Krieg und die Zeit danach

1632 war eine schwere Zeit für Kirche und Ort. Am Ostermontag (12. April) ereignete sich der erste Schwedeneinfall, den Lehrer und Gerichtsschreiber Michael Boll verzeichnet: Die Kirche profanirt (entweiht) und spolirt (beraubt). Diese grausame Zeit hatte um 1648 ihr Ende gefunden. Als 1659 die Heidenheimer das Lehen von den Leonrodts übernommen hatten, ging es mit Kirche und Gläubigen kontinuierlich aufwärts. Die in der späteren Altar in einem mit bischöflichem Siegel verschlossenen Zinkreliquienkästlein gefundene Urkunde hatte folgenden Wortlaut: Urkunde MDCCVIII Die 29 Mensis Octobris ego Joannes Casimirus Episcopus Amidensis Reverendissimi Serenissimi Principis et Episcopi Augustani Suffraganaeus consecravi Altare hoc in honorem Sanctorum Petri et Pauli Apostolorum et Reliquias Sanctorum Martyrium Pastoris, Olympii et Valeriae in eo inclusi et singulis Christi fidelibus hodie unum annum et in Die anniversario consecrationis hujusmodi ipsum visitantibus quadraginta dies de vera indulgentia in forma Ecclesiae consecratae concessi. Urkunde 1708 Am 29. Oktober, habe ich Joannes Casimirus, Bischof von Amidensis, Sufragan des hochehrwürdigen erhabensten Fürsen und Bischofs von Augsburg diesen Altar zu Ehren der heiligen Apostel Petrus und Paulus geweiht. Und ich habe auch die Reliquien der heiligen Märtyrer Pastor Olympia und Valeria geweiht, die in diesem Altar eingeschlossen sind. Und ich habe allen Christgläubigen, die von heute an auf ein Jahr und am Jahrtag dieser Weihe diesen Altar aufsuchen einen wirkkräftigen Ablass von 40 Tagen in der üblichen kirchlichen Form gewährt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde die im 15. Jahrhundert im gotischen Stil erbaute Pfarrkirche in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts – noch vor der Neukonsekration des Hochaltares - einer umfangreichen Erweiterung und damit verbundenen Veränderung unterzogen. Das Langhaus wurde zusammen mit dem Chor nach Süden erweitert, letzterer auch nach Osten verlängert, so dass die Achse der Kirche, ohne die Symmetrie im Inneren zu stören, etwa um Seitenschiffbreite südlicher zu liegen kam als vorher. Diese Veränderungen drückten der größer gewordenen Pfarrkirche den damals geltenden barocken Stil auf. Christoph Marquard Alexander von Heidenheim, Lehensherr in Münsterhausen, stiftete 1716 die große Glocke, gegossen bei Alexander Arnold in Dinkelsbühl - diese befindet sich heute noch im Turm der Pfarrkirche und lädt die Gläubigen zum Gebet ein. Im Jahr 1724, kurz vor seinem Tod, ließ er zwei neue Seitenaltäre errichten. 1765 wurden die oberen Turmgeschosse und die Turmhaube aufgesetzt, wobei die Schallöffnungen aus der spätgotischen Epoche zugemauert wurden. Das Fries blieb erhalten. 1.3. Neubau oder Umgestaltung Ende des 18. Jahrhunderts war ein Neubau der Kirche geplant. Anstelle des Neubaus wurde die Kirche 1795 bis 1798 unter der Leitung vom Bauinspektor Ignaz Eberle aus Marktoberdorf einer Renovierung unterzogen. Die Malerarbeiten gestaltete Johann Nepomuk Eberle. Bei dieser Renovierung wurde die Kirche im frühklassizistischen Stil > mit prächtigem Aufwand < umgestaltet. Seit 1847 stand aufgrund des Platzmangels wieder ein Neubau der Kirche zur Diskussion. Ab 1892 fand jedoch eine umfassende Renovierung der bestehenden Kirche statt, bei der zunächst die hölzerne Abschlusswand des Langhauses durch das heutige Mauerwerk ersetzt wurde. Pfarrer Ludwig Vogg schreibt am 18. Juli 1892 vom Durchbruch für das Nordportal und am 24. Oktober desselben Jahres von der Restaurierung der total defecten Pfarrkirche. Die Fertigung einer neuen Kanzel, der Aufbau des Hochaltars und die Neuanfertigung des heutigen Taufsteins (Firma Ketterle, Augsburg), sowie das Einsetzen von drei neuen Chorfenstern (Firma Eichleiter, Augsburg) sind so genau aufgezeichnet, wie die gründliche Reparatur der Orgel mit der Verlegung des Gebläses in den Fehlboden des Musikchors. Im Jahre 1894 wurden unter der Leitung des aus Münsterhausen stammenden und in München ansässigen Malers Adolf Leinsing die Wände und die Gewölbe des dreischiffigen Gotteshauses mit Dekorationsmalerei ausgestattet. Die Pläne stammen von dem Dekorations- und Historienmaler Ludwig Hövemeyer aus München. Bei einer Restaurierung der Kirche in den Jahren 1955/56 wurden die Deckengemälde abermals ersetzt, die bunten Fensterverglasungen des 19. Jahrhunderts entfernt und sämtliche Holzschnitzwerke neu gefasst. Bei einer 1981 bis 1984 erfolgten Restaurierung des Kircheninneren erneuerte man die farbliche Tönung der Wände ebenso wie die Schablonenmalerei des Jahres 1894 nach Befund. 1.4. Fazit Abschließend kann man sagen, dass der im 19. Jahrhundert komplett überarbeitete Innenraum nach einer zurückliegenden Restaurierung einen guten Eindruck darüber bietet, was der Historismus in Schwaben hinterlassen hat. Nahezu alles Vorhandene, wie z. B. die Epitaphien, die Petrus- und Paulus-Skulpturen des Hochaltares und der Gemäldebestand, wurde in einem Akt großen Selbstverständnisses integriert. Die basilikale, mit Säulen verbundene Raumschale bietet auch einer heutigen Pfarrgemeinde eine bergende Heimstatt und ist keineswegs Museum. Als Zeitzeugnis des frühen 21. Jahrhunderts entstand 2003 ein qualitätsvolles Ensemble liturgischer Orte aus der Hand des Laufener Bildhauers Friedrich Koller. Die formale Klarheit von Altar, Ambo, Osterleuchter und Priestersitz führt hin zum Wesentlichen: Der Begegnung mit dem Auferstandenen. 2. Rundgang

2.1. Der Kirchenraum Ein schlanker, schön gegliederter barocker Zwiebelturm, der zu Beginn des 18. Jh. gebaut wurde, lädt ein, Münsterhausens Pfarrkirche St. Peter und Paul zu besuchen. Das Innere der Kirche hat freilich nichts von der Weite und Schwerelosigkeit, die der Turm verheißt. Hier wartet auf den Besucher eher ein sakraler Innenraum, der einer Basilika ähnelt. Die wuchtigen Säulen gliedern den niederen Raum und verleihen ihm eine besondere meditative Atmosphäre. Die Ornamentalmalerei des 19. Jh. wird durch zwei Deckenfresken, die Chorraum und Langhaus schmücken, aufgelockert. Sie erzählen von der Menschwerdung Gottes in einem gut gelungenen Krippenbild mit der Anbetung der Hirten und der Berufung des Petrus zum obersten Hirten der Kirche. Der Maler Baumann hat 1956 in barocker Art Jesu Wort an den ersten Papst ins Bild gesetzt: "Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Dir will ich die Schlüssel des Himmels geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein". Da sind die Schlüssel, der goldene und der silberne zu sehen, die Jesus Petrus übergibt und unter dem ragenden Felsen der Teufel und sein Anhang, die trotz ihres Kampfes gegen Papst und Kirche nie den Sieg davontragen werden. 2.2. Der Altarraum Der heilige Petrus ist im Altarbild, das Johann Nepomuk Eberle aus Marktoberdorf 1796 gemalt hat, nochmals dargestellt, zusammen mit dem zweiten Kirchenpatron, dem Völkerapostel Paulus. Es ist die Begegnung der beiden Apostel auf dem Weg zur Hinrichtung in Rom. Petrus wird wie sein Heiland ans Kreuz geschlagen, während Paulus als römischer Bürger durch das Schwert stirbt. Deshalb wird Paulus mit dem Schwert dargestellt - und so zeigt ihn auch die barocke Figur im Altarraum - und Petrus mit umgekehrtem Kreuz oder den beiden Schlüsseln. Das Hochrelief mit dem letzten Abendmahl über der Sakristei hat ebenso seinen Platz im Altarraum gefunden wie eine ausdrucksstarke barocke Kreuzigungsgruppe mit lebensgroßen Figuren an der gegenüberliegenden Wand. In jeder heiligen Messe wird das letzte Abendmahl gegenwärtig und das Kreuzesgeschehen aufs Neue lebendig. Dafür wurde am Peter-und-Paul-Fest, dem 29. Juni 2003, der neu gestaltete Chorraum mit dem Altar konsekriert. Der Altar steht auf einer in den Boden fest eingefügten Metallplatte und ist der unverrückbare Mittelpunkt des sonntäglichen Geschehens. Der Stipes aus Metall trägt die Mensa aus Stein. Im Altar-Weihe-Gebet heißt es: „Dieser Altar sei Quelle der Einheit für die Kirche und der Eintracht für diese Gemeinde. Jeder erfahre hier Gemeinschaft im Glauben und öffne sich dem Geist gegenseitiger Liebe.“ Am Übergang vom Chorraum zum Langhaus steht der Märtyrer des Beichtgeheimnisses, der heilige Johannes Nepomuk, der im 18. Jh. heiliggesprochen und als Patron des Hauses Habsburg in der Markgrafenschaft Burgau besonders verehrt wurde. Er hat auch in der Pfarrkirche Münsterhausen eine sehr schöne Figur erhalten (1730). 2.3. Die Seitenaltäre Die beiden Seitenaltäre zeigen zwei Ordensfrauen und ihre mystische Begegnung mit Christus. Auf dem Bild des rechten Altares vermählt sich das Jesuskind der heiligen Walburga, indem es
ihr den Ring ansteckt. Die Präsenz der heiligen Walburga zeugt zugleich von der Heidenheimer Geschichte in Münsterhausen. Sie lebte und wirkte mit ihrem Bruder Wunibald in Heidenheim, bevor sie nach Eichstätt ging. Auf dem Bild des linken Seitenaltars tritt Christus der heiligen Maria Margareta Alacoque entgegen und verweist auf sein Herz, das reich ist für alle, die es anrufen. 2.4. Die Grabdenkmäler Von den sechs Grabdenkmälern, die in die Wände der Kirche eingelassen sind, verdienen es wenigstens zwei näher betrachtet zu werden. Beide befinden sich an der Südseite des Gotteshauses. Vorn beim rechten Seitenaltar wird an den verdienten Pfarrer Michael Wolfegg erinnert, der 1708 mit 58 Jahren starb und 21 Jahre in Münsterhausen wirkte. In Chorrock und Stola kniet er vor dem Altar, auf dem Kelch und Hostie das Zentrum seiner priesterlichen Tätigkeit zum Ausdruck bringen, darüber das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Altötting, der er die Frauenkirche erbaut hat. Zahlreich sind die lateinischen Verse, die den Priester würdigen und zur Nachahmung auffordern. Noch wortreicher ist das zweite Grabdenkmal, das der Jungfrau Anna Regina von Stotzingen zu Tüschingen und Heudorff gewidmet ist. "0 Mensch, bedenk die letzten Ding!" beginnen die deutschen Verse. Die Eltern Wilhelm von Stotzingen und Magdalena, geborene von Rechberg, haben das Grabdenkmal für ihre 1588 verstorbene Tochter fertigen lassen. Mit über die Hüfte wallendem Haar, das ein Jungfernkranz ziert, kniet sie züchtig im hochgeschlossenen Kleid, die Hände betend gefaltet, vor dem Gekreuzigten. Im Himmel aber vollzieht sich die Krönung Mariens. Ein einzigartiges Dokument des Glaubens und christlicher Hoffnung bedeutet dieses Grabmal auch dann, wenn man sich nicht die Mühe macht, die sieben Strophen zu entziffern, die in den Stein eingraviert sind. 2.5. Die Kanzel Bevor man die Kirche verlässt, sollte man noch einen Blick auf die Kanzel werfen. Ein segnender Christus, der auf der Schalldecke steht, entlässt den Besucher und sendet ihn hinaus in die Welt, um Zeuge der frohen Botschaft zu sein wie Petrus und Paulus, wie Johannes Nepomuk, wie Pfarrer Michael Wolfegg und die Eltern der Jungfrau Anna Regina. Quellen für die Beiträge Pfarrkirche und Frauenkirche: Kirchenführer der
Pfarrkirche „St. Peter und Paul“ und Wallfahrtskirche „Unsere Liebe Frau“
Münsterhausen, Kunstverlag Peda Passau 2000.
Pfarrer Mirko Cavar, Festschrift „300 Jahre der Frauen- und Pfarrkirche St.
Peter und Paul - 1708-2008“ und „Lasst den Kirchenraum vom Glauben
erzählen“, Diözese Mainz 1999
Dr. Antonius von Steichele und Alfred Schröder, Das Bistum
Augsburg Bd. 5, Augsburg 1894.
Dekan Ludwig Gschwind, Kirchen und Wallfahrtsorte im Dekanat Krumbach, Krumbach 2001.
Aufzeichnungen der Pfarrbücher der Pfarrei St. Peter und Paul, jetzt im
Archiv des Bistums Augsburg.
Texte: Pfarrer Mirko Cavar und Eugen Miller, Chronik des Marktes Münsterhausen, erschienen 2011. Texte und Bilder über die beiden Kirchen in der PDF Datei: Festschrift zum Jubiläum 300 Jahre Frauenkirche und Pfarrkirche St. Peter und Paul - 1708-2008