Kirchen und Kapellen
Pfarrkirche St. Stephan
Die Pfarrkirche selbst steht auf einer kleinen Anhöhe in der Mitte des Ortes, umgeben von einem Friedhof. Sie ist ein spätgotischer Ziegelbau, etwa um 1500 samt Turm errichtet. 1747 wurde unter dem kunstsinnigen Pfarrer Augustin Menner (Grabtafel neben dem rechten Seitenaltar) die Pfarrkirche barockisiert (spitzbogige Fenster abgerundet, neue Langhausdecke sowie Chorbogen). Um etwa 1750 erhielt sie ihre reiche Stuckzier. Die Fresken folgten 1753/54. Letzte Innenrenovierungen 1980 und 1995, des Äußeren 1978 sowie 1996.
Das prunkvolle Stuckwerk ist vom Rokoko geprägt. Hauptmotive sind breite unruhige Rocaillen, rosa und graugrün auf weißem Grund, dazu einzeln vergoldete Zweige und Blumenketten. Der Stukkateur ist unbekannt. Um alle großen Fresken vergoldete Schweifrahmen, um alle kleinen Fresken Stuckkartuschen. An den Gewölberippen im Chor Lambrequins. Über den Langhausfenstern (außer in der östlichen Fensterachse) ebenfalls Lamberquins mit Engelsköpfchen. Besonders schön sind die Stuckkapitelle über den Pilastern im Chor. Erwähnenswert ist auch der Rocaillerahmen um das große Kreuz mit darüber hängendem Baldachin, bekrönt von einem Pelikan. Auch wenn der Stuck in der Qualität sich nicht mit Feichtmayr oder gar den Gebrüdern Zimmermann messen kann, so erreicht der unbekannte Meister doch das Ziel der festlichen Gestaltung des Innenraumes und der geschickten Umspielung der gotischen Architekturelemente.
Die Fresken sind ein Frühwerk des bekannten Rokokomalers JOHANN BAPTIST ENDERLE, entstanden 1753/54. Im Altarraum zeigt das große Bild die Verherrlichung des allerheiligsten Altarsakramentes. In diesem Fresko steht Enderle noch ganz unter dem Einfluss seines Lehrers F. M. KUEN, (man vergleiche Kuens Chorfresko in der Pfarrkirche Fischach, Landkreis Augsburg-Land). In der Mitte als Hauptfigur die Mutter Kirche (Ecclesia) auf einem von Evangelistensymbolen gezogenem Triumphwagen. Diese hält eine Monstranz mit Hostie empor, als Zeichen der Gegenwart Jesus Christus. Auf der Rückenlehne die Tiara mit den gekreuzten Schlüsseln – Papsttum. Der Mutter Kirche huldigen die Erdteile: Europa aus Königingestalt, die Paschafigur im blauen Mantel als Asien, der Indianer im Federschmuck als Amerika und natürlich der Schwarze als Afrika. Australien war zu dieser Zeit noch nicht entdeckt. Am unteren Bildrand stürzen die Irrlehrer (allegorische Darstellung von Unglauben, Irrglauben und Ketzerei) vom Blitz der Wahrheit getroffen, der aus der Hostie kommt, in die Tiefe.
Auch die kleinen Kartuschen um das Mittelbild verraten einen Hinweis auf das allerheiligste Altarsakrament. Sie sind Allegorien der: Liebe (östliche Frau mit Herz), nördlich Hoffnung (Anker), westlich Glaube (Frau mit Flügeln) und südlich Frömmigkeit (betende Frau).
Östlich davon die Auffindung des Leichnams vom heiligen Stephanus, darunter in der Kartusche Inschrift: Da / S. Stephans Leib erheht ist worden / seind sehr vil kranckhe frisch und gsund / worden.
Westlich über der Orgel der heilige Stephanus in der Glorie mit Attributen. Der Kirchdorfer Erzbruderschaft vom heiligen Rosenkranz (Gründungsjahr 1623), sind die beiden Fresken nördlich und südlich zu verdanken. Das nördliche zeigt Maria als Helferin der Kranken. Inschrift: SALUS INFIRMORUM („Heil der Kranken“). Auf dem südlichen zu sehen die heiligen Franziskus und Dominikus zu Füßen Mariens, die bei ihrem Sohn Fürbitte einlegt. Inschrift: HOC TIBI SOLA SALUS („Dies ist die einzige Rettung für dich“).
In den vier Eckkartuschen befinden sich die lateinischen Kirchenväter, nordöstlich Ambrosius, südöstlich Gregor, nordwestlich Augustinus sowie südwestlich Hieronymus.
Die drei Altäre wie auch die Kanzel werden CLEMENS WILHELM aus Tussenhausen zugeschrieben. Sie sind frühklassizistisch und um ca. 1790 entstanden.
Am Hauptaltar (Stephansaltar), Figuren: oben im Auszug Gott Vater (Mitte 18. Jahrhundert), umgeben von Engelsköpfchen, darunter heiliger Geist, stellen zusammen mit Jesus auf dem Altarblatt die heilige Dreifaltigkeit dar. Zwischen den Säulen stehen links der heilige Petrus und rechts der heilige Paulus von ca. 1720/30. An dem Auszug, neben Gott Vater sitzen ebenfalls zwei Engel. Erwähnenswert sind auch die goldenen Reliquienpyramiden sowie Leuchter aus der Rokokozeit.
Das Altarblatt von Johann Caspar aus Obergünzburg ist im Nazarener-Stil gemalt (Mitte 19. Jahrhundert). Diese vor einigen Jahren noch verachtete Kunstrichtung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Hier dargestellt die Steinigung des heiligen Stephanus, im Hintergrund Paulus, der die Kleider bewachen darf, weil er noch nicht volljährig war, um mitzusteinigen.
Auf den Konsolen neben dem Hochaltar links der heilige Joachim und rechts die heilige Anna mit Marienkind.
Die Figur Herz Maria ist vom Nazarener-Stil geprägt. Rechts vom Volksaltar steht das Prozessionskreuz (1. Hälfte 19. Jahrhundert, Korpus neu).
Holzfiguren von 1720/30 zieren den linken Seitenaltar (Josefsaltar), die Jesuitenheiligen rechts Ignatius und links der heilige Franz Xaver. Das Altarblatt ebenfalls von Johann Caspar, zeigt den heiligen Josef mit dem Jesuskind. Es ist das schönste der hier genannten Bilder. Darüber im kleinen ovalförmigen Blatt Tod des heiligen Franz Xaver auf der Insel Sancia.
Am rechten Seitenaltar (Marienaltar) stehen die Figuren: links die heilige Katharina und rechts heilige Barbara. Die beiden kerzentragenden Engel und Kruzifix sind wie auf dem gegenüberliegenden Seitenaltar neugotisch. Das Altarblatt ist das letzte Bild, das Johann Caspar malen konnte, bevor er erblindete. Maria, die Frau vom Rosenkranz mit heiligem Dominikus hat es zum Thema. Oben im ovalen Blatt der heilige Aloysius.
Der Kerkerchristus im Vorzeichen ist aus der Mitte des 18. Jahrhundert.
Sie haben nun unsere schöne Kirche bewundert und vielleicht auch für ein stilles Gebet Zeit gehabt. Mögen Sie die Bedeutung „des Anschauungs-Unterrichtes Gottes“ für das Leben der Seele erkennen, die tiefe Kenntnis der Heiligen Schrift, die Ausdruckskraft der Künstler, die Opferbereitschaft Ihrer Vorfahren dankbar anerkennen und dem guten Beispiel folgen: Verba movent – exempla trahunt = Worte klingen, Beispiele zwingen.
DENKEN WIR DARAN, WAS ZU GOTTES EHRE GESCHAH
UND WIE WIR SIE MEHREN KÖNNEN