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Pfarreien, Gottesdienste, Veranstaltungen

Nacht der Kirchen in Dillingen

20.09.2016

An der Dillinger Nacht der Kirchen nahm am vergangenen Samstag, 17.09.2016, erstmals auch die ökumenische Gruppe ALG III teil, in der sich u.a. Katholiken aus der Pfarrei St. Martin, Lauingen, einbringen.

Noch schlechter hätte das Wetter zur Nacht der Kirchen nicht sein können. Nicht nur, dass es regnet; im weiteren Verlauf der Nacht der offenen Türen von insgesamt sechs Dillinger Gotteshäusern scheint wie aus Kübeln zu schütten. Dennoch stellt Hauptkoordinator Werner Bosch nach sechs Stunden mit Musik, Meditation, Diskussionen, Vorträgen sowie Gebeten zufrieden feststellen können: „So viele wie heute waren noch nie da.“ Mit Petrus und dessen Witterungslaunen muss sich der kleine, schlanke und vor allem umtriebige Mann erst gar nicht arrangieren. Mit seinen zweieinhalb Jahrzehnten als Pfarrgemeinderatsvorsitzender kennt er den Kirchenbetrieb wie kaum ein anderer.

Bosch kann aber auch „Nacht der Kirchen“. Obwohl er eigentlich aufhören wollte. Stattdessen hielt er auch bei der elften Auflage der Veranstaltung wieder alle Fäden in der Hand, während die Helfer der jeweiligen Begegnungsstätte in diesen Stunden ihr Programm selbst gestalteten. So ist Bosch immer noch aktiv, als nach der ökumenischen, farbenprächtig illuminierten Schlussandacht im Schlosshof und dann – eine Premiere – in der reizvollen Schlosskapelle der Letzte das Licht ausmacht.

Einer der ersten, der sich zu Beginn des bunten Veranstaltungsreigens unter die Menschen in der Studienkirche mischt, die mit ihren Deckenfresken, Plastiken und Altargemälden völlig zu Recht als kunsthistorisch wertvollstes Bauwerk der Stadt gilt: Frank Kunz. Dillingens Oberbürgermeister nahm nach seinem Einsatz bei BSH mit seiner Familie an der Nacht der Kirchen teil.

Von der Prominenz auf derselben Bankreihe unbeeindruckt zeigen sich die Kinder Elisa, Dominik, Lukas, Fridolin und Hermine, als sie den Erzählungen von Gudrun Lutzmann, der Elke Rathgeb und Sandra Späth zur Seite standen, aufmerksam zuhörten: „Geht es bei dir um den Beschützungsengel?“, fragte ein Dreikäsehoch die Frau. Gudrun Lutzmann, die später noch die Saiten ihre Gitarre schwingen und eine Singstimme wie von Göttern erheben wird, hilft wie ihre Kolleginnen stets beim Parallelgottesdienst für die Kleinen mit. Mit Engelsgeduld reagiert sie auf die neugierigen Fragen der Buben und Mädchen. Auch Korbinian Rapp, der sich mit Gattin und den drei Kindern dazugesellt hat, kennt sich hier bestens aus - er war im Alter zwischen sechs und 14 Jahren begeisterter Ministrant. Dann werden die Engel gezählt und alle helfen mit. Gudrun Lutzmann kommt allein im Altarraum des bezaubernd ausgestatten Hauses aus dem 17. Jahrhundert auf stolze 123.

Zahlen ganz anderer und vor allem nüchterner Art präsentieren die Akteure in der evangelischen Stadtkirche am Martin-Luther-Platz. Hätte es ein Wettläuten gegeben, die Katharinenkirche hätte gewonnen: Ihr Geläut geht unter die Haut. In dem neugotischen Bauwerk wollten sich Christen verschiedener Konfessionen aus Dillingen und Lauingen, darunter Betriebsräte, Arbeitnehmerorganisationen und Mitglieder der Arbeitslosen-Initiative Gehör verschaffen. „Wir reden über Gott und die Welt“, macht Mitorganisator Martin Knecht deutlich. Seit neun Jahren wolle man herausfinden, ob Arbeit, Leben und der Glaube zusammenpassten. Nach einer beeindruckenden, mit originellen Musikstücken untermalten Performance und kritischen Schlagworten aus der Arbeitswelt schloss Gewerkschafterin Antonie Schiefnetter: „Bei uns geht es um sozialethische Fragen, und da spielt sicher auch der arbeitsfreie Sonntag eine wichtige Rolle.“

Mit dem „Licht in dieser Welt“ beschäftigte sich hingegen Diakon Eugen Schirm, der in der Krankenhauskapelle St. Elisabeth biblische Texte zitierte. Dabei überstrahlte eine wunderschöne, unheimlich plastisch wirkende Kreuzigungsfigur, geschaffen von der Franziskanerin Schwester Nicole Oblinger, den ansonsten eher spartanisch eingerichteten Raum, den auch etliche junge Menschen betraten.

Das „Apokalyptische Lamm“ im Rücken hat Gemeindereferent Stefan Schneid, als er in der Christkönigskirche an der Himmelstraße zum „Wort Gottes“ anhebt, um „in die Stadt zu kommen und an die Haustür zu klopfen“. Im selben Raum begleitet eine Gruppe mit Veeh-Harfen, einem der Akkordeonzither nachempfundenem Zupfinstrument, die Franziskanischen Friedensgebete. Gesungen und musiziert wird derweil auch wieder in der Studienkirche mit dem 14-köpfigen Team „Ichthys“. Die Männer und Frauen präsentieren moderne Kirchenlieder so eindrücklich, dass sich in mancher Kirchenbank die Hüften bewegen und die Finger schnalzen. Volles Haus meldet Mariä Himmelfahrt dann endgültig beim Auftritt des mächtigen Nördlinger Bachtrompetenensembles, das Mozart wie Vivaldi buchstäblich mit Pauken und Trompeten auflegt. Die Standpauke für die Gläubigen erspart sich zum Abschluss der weit gereiste Stadtpfarrer Wolfgang Schneck bei seiner launigen, wie tiefschürfenden Rede von der „Baustelle Kirche“. Anekdoten aus dem römischen Alltag inklusive. Dann ist wirklich Nacht bei der gelungenen Nacht der Kirchen.