Fest der Sendung des Heiligen Geistes und Geburtsfest der Kirche
Pfingsten ist für Christen das Fest der Sendung des Heiligen Geistes und gilt als Geburtsfest der Kirche.
Die Apostelgeschichte erzählt von einem heftigen Brausen, das plötzlich vom Himmel herkam. Den Jüngern, die zusammen im Hause saßen, erschienen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten. Auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, wie es ihnen der Geist eingab. Diese Szene ist am Hochaltar im Münster von St. Martin dargestellt.
Das Evangelium nach Johannes berichtet vom ersten Tag der Woche, an dem sich die Jünger aus Furcht vor den Juden hinter verschlossenen Türen aufhielten, als Jesus zu ihnen in ihre Mitte trat und sagte: „Friede sei mit euch“. Und er zeigte ihnen seine Hände und seine Seite. Die Jünger freuten sich, dass sie den Herrn sahen. Und Jesus entgegnete: „Der Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Weiter berichtet das Evangelium, dass Jesus noch einmal sagte: „Friede sei mit euch.“ Er hauchte sie an und sagte: „Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich euch. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“
Stadtpfarrer Raffaele De Blasi betonte in seiner Predigt, dass Pfingsten der Geburtstag der Kirche sei, grundsätzlich ein Freudentag. Doch vielen verginge heute die Freude an und mit der Kirche, weil diese ein massives Kommunikationsproblem habe. Er beklagte, dass manche kirchlichen Verlautbarungen "von oben" in einer "Bastamentalität" verfasst seien und dabei nicht bedacht werde, was eine solche Art der Kommunikation in Menschen anrichten kann. Als Beispiel nannte er zentrale Felder des menschlichen Zusammenlebens, vor allem im Bereich der Wertigkeit der Geschlechter (Stichwort "Rolle der Frau in der Kirche") und der Sexualität (Stichwort Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften) - hier negiere die Kirche immer noch sämtliche Erkenntnisse der Human- und Bibelwissenschaften, hier spräche die Kirche heute eine Sprache völlig vorbei an den Menschen, weshalb sich die Kirche auch nicht wundern müsse, wenn Menschen, die beispielsweise in einer homosexuellen Partnerschaft leben, ihr den Rücken zukehren würden. Pfarrer De Blasi betonte, dass eine gelungene Kommunikation der Kirche mit den Menschen nur möglich sei, wenn alle intensiv um die Gaben des Hl. Geistes beten würden.
Bitten wir um den Heiligen Geist:
Komm, Herr Jesus, und lebe in mir, in der Fülle deiner Kraft, in der Lauterkeit deiner Wege, in der Heiligkeit deines Geistes und bezwinge alle böse Macht durch deinen Geist, zu Ehren des Vaters. Amen (Condren, um 1630)
Text: Claudia Mayer-Lindner