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Pfarreien, Gottesdienste, Veranstaltungen

Gottesdienst – geht`s noch langweiliger?

23.03.2015

Liebe Pfarrgemeinde,

Gottesdienst – geht`s noch langweiliger?

Unser Sonntags- und Werktagsgottesdienst richtet sich in der Auswahl der Lieder und der Texte vornehmlich an die Erwachsenen und an eine im Besuch des Gottesdienstes erfahrene Gemeinde. Aber viele Gemeindemitglieder – besonders Kinder und Jugendliche – fühlen sich davon nicht so sehr oder überhaupt nicht angesprochen. Diesem Umstand wurde in den letzten Jahren wenigstens den jungen Familien durch die monatlichen Familiengottesdienste Rechnung getragen. Neben vielen besonderen Gottesdiensten haben sie ihre Berechtigung und ihren Platz im Leben unserer Pfarrgemeinde St. Martin erhalten.

Dennoch möchte ich ein Plädoyer halten für den ganz normalen Gottesdienst an den Sonntagen und den Werktagen. Gemeinde – das ist immer die Gemeinschaft aller Gläubigen und das sollte sich gerade im wichtigsten Vollzug des Gemeindelebens, im Gottesdienst widerspiegeln. Eine Gemeinde, die sich nur noch zu besonderen Gottesdiensten z.B. an Weihnachten und Ostern trifft, ist ein Widerspruch in sich. Ich möchte alle zu den ganz normalen Gottesdiensten einladen und ihnen aus der Frohbotschaft, die in den Texten und Liedern zum Ausdruck kommt, Kraft und Freude für den Alltag mitgeben. Wir dürfen täglich – nicht nur an den Feiertagen – aus dem reichen Glaubensschatz unserer Kirche schöpfen. So sind wir nicht nur mit den Christen weltweit, sondern auch mit den vielen Generationen der Gläubigen, die vor uns gelebt haben, verbunden.

Dieser Schatz der Texte und Lieder erschließt sich nicht beim erst- oder einmaligen Hören. Es ist ein bisschen wie mit einem dicken Buch. Die ersten Seiten können langweilig sein und manchmal möchte ich das Buch unausgelesen weglegen. Doch ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht ein Buch auch zu Ende zu lesen und habe dabei schöne und bereichernde Leseerlebnisse erfahren.

Auch der Gottesdienst braucht Geduld und Ausdauer, der dann zu gegebener Zeit belohnt wird. Er ist nicht nur gemein-same Feier der Gemeinde, sondern zuerst Begegnung mit Gott. Und Gottesbegegnung geschieht nicht auf Knopfdruck. Es ist wie mit einem Menschen, den ich erst nach und nach kennen lerne und zu lieben beginne. Was hätte ich im Leben nicht alles verpasst, wenn ich nicht Zeit und Ausdauer mit ins Spiel gebracht hätte oder andere Menschen mit mir keine Geduld gehabt hätten. Und so ist es auch mit dem Gottesdienst. Er kann gar nicht langweilig sein, sondern ist vielmehr eine Kraftquelle für den Alltag und das nicht nur an einem Sonn- oder Feiertag. Sie sind herzlichst eingeladen.

Ein weiterer Aspekt dazu möge das Gesagte in folgender Geschichte noch weiter verdeutlichen:

Die Geschichte vom Krug

Ein Professor der Betriebswirtschaft, der seinen Studenten einen Vortrag über Zeitmanagement gehalten hatte, nahm am Ende seiner Vorlesung einen Steinkrug hervor und stellte ihn auf das Pult. Dann legte er große Steine, einen nach dem anderen, in den Krug. Als dieser bis oben gefüllt war und keine Steine mehr hineinpassten, fragte er die Studenten: „Ist der Krug voll?“ Alle im Hörsaal nickten. „Tatsächlich?“, hakte der Professor nach und zog einen Eimer Schotter hervor. Er kippte einen Schwung in den Krug und schüttelte ihn, damit die Schottersteine die Hohlräume zwischen den Steinen ausfüllen konnten. Wieder fragte er einen seiner Studenten: „Ist der Krug voll?“ Der war nun vorsichtiger und sagte: “Vermutlich nicht!“ – „Richtig!“, rief der Professor, griff nach einem Eimer mit Sand und schüttelte ihn in die noch vorhandenen Hohlräume im Krug. Wieder stellte er die Frage, ob der Krug voll sei, und wieder verneinten die Studenten. „Sehr richtig“, sagte er, holte einen Wasserkrug und füllte den Krug bis zum Rand mit Wasser auf. Er blickte in die Runde und fragte: „Was meinen Sie, habe ich mit dem Krug veranschaulichen wollen?“ Ein Student meldete sich: „Der Punkt ist: Egal wie voll unser Terminkalender ist, wenn wir uns nur richtig anstrengen, können wir immer noch ein paar zusätzliche Termine unter-bringen.“ „Nein!“, widersprach der Professor, „darum geht es eben nicht! Die eigentliche Botschaft lautet: Sie müssen die großen Steine zuerst in den Krug legen, sonst kriegen Sie diese vor lauter Schotter, Sand und Matsch gar nicht mehr unter. Dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all ihre Zeit und Energie in Nebensächliches investieren, werden Sie nie Platz haben für die wichtigen Dinge. Setzen Sie Prioritäten! Der Rest ist nur Sand!“

Ein frohes Osterfest wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer

Pater Siegfried Hutt SAC